Wechselausstellung „Geliebt. Gebraucht. Gehasst. Die Deutschen und ihre Autos“ im Haus der Geschichte in Bonn

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Haus der Geschichte in Bonn

Vom 10.03.2017 bis 21.01.2018 ist im Haus der Geschichte in Bonn die Ausstellung „Geliebt. Gebraucht. Gehasst. Die Deutschen und ihre Autos“ zu sehen. Neben der Präsentation von ausgewählten Fahrzeugen wie dem Opel Manta aus dem Film „Manta, Manta“ sowie Plakaten und Fotos, welche die Faszination des Autos deutlich machen, soll auch eine App den Besuchern einen spielerischen Zugang zu dem Ausstellungsthema ermöglichen.

Einstimmung in der Waschstraße

Der Eingang in diese Wechselausstellung ist definitiv nicht zu übersehen, denn er führt direkt in eine Waschstraße mit laufenden Reinigungsbürsten. Ein sehr gelungenes Highlight zur Einstimmung in die Thematik. Über drei Knöpfe am Eingang der Anlage kann der Besucher verschiedene Bilderserien zu den Ausstellungsthemen „Geliebt“, „Gehasst“ bzw. „Gebraucht“ auswählen und sich in der Waschanlage betrachten. Nach dem Verlassen des Eingangsbereichs folgt der Raum, in dem das Thema „Autoland“ ausgestellt ist. Hier finden sich sowohl Dokumente, Fotos und Plakate zum Mythos „deutsches Auto/ deutsche Wertarbeit“ als auch zum Volkswagen bzw. Käfer als deutsche nationale Nachkriegsikone. Über eine interaktive Deutschlandkarte in der Mitte des Raumes lassen sich kurze Animationsfilme zu den Themen Auto & Gesellschaft, Auto & Verkehr, Auto & Umwelt sowie Auto & Wirtschaft anwählen.

Im nächsten Ausstellungsraum geht es um Macht, die hier exemplarisch an den Dienstwagen deutscher Politiker aufgezeigt wird. So kann der Besucher sich über kleine hochklappbare Türchen über die Sicherheitsvorkehrungen vom Dienstwagen Gerhard Schröders informieren und erfährt zudem, welche Beflaggung bei welchem Politiker gewählt wird.

Das Thema Freiheit wird im darauffolgenden Raum anhand von verschiedenen Beispielen aufgegriffen: Neben der Bedeutung des Autos als Fluchtmöglichkeit aus der DDR werden auch Urlaubsreisen und das Camping thematisiert. Grundsätzlich zieht sich der Vergleich von West- und Ostdeutschland durch die gesamte Ausstellung. Aber natürlich darf auch der klassische VW-Bulli als „Hippie-Fahrzeug“ und die Debatten rund um Frauen am Steuer nicht fehlen.

Rennsportfreunde kommen im weiteren Verlauf der Ausstellung auf ihre Kosten, da nun Geschwindigkeit und Tempo anhand von Motorsportrennen, aber auch in Form von PC- und Konsolenspielen, erläutert werden.

Der bereits eingangs erwähnte Opel Manta kann im nächsten Raum in voller Größe bewundert werden. Hier werden verschiedene Aspekte unter dem Thema Image zusammengefasst: Dekoartikel wie der Wackedackel, Aufkleber, Wunschkennzeichen und verschiedene Felgen zeigen, inwiefern das Auto als Statussymbol zu sehen ist.

Im Imagelabor, das zeigt, dass das Auto als Gesamtkunstwerk betrachtet wird, sind der Riech-, Tast- und Hörsinn des Besuchers gefragt, da hier verschiedene Automarken errochen, verschiedene Schaltsysteme erfühlt und unterschiedliche Motorengeräusche erraten werden können.

Im letzten Raum wird ein Blick in die Zukunft geworfen, indem Aspekte wie Künstliche Intelligenz und die Vernetzung von Autos mit anderen elektronischen Geräten, autonomes Fahren und alternative Antriebsmöglichkeiten präsentiert werden.

Der Blick durch die Fensterscheibe

Die erwähnten Riech-, Fühl- und Hörstationen sind eine Abwechslung zum Lesen und Betrachten der Ausstellungstexte und -objekte. Ähnlich pfiffig, wie ich finde, sind manche Vitrinengestaltungen: Einige Ausstellungstücke liegen in Vitrinen, deren Scheiben wie Heckscheiben gestaltet sind. Damit wird auch im Gestalterischen dem Ausstellungsthema Rechnung getragen. Durch verschiedene kleinere spielerische Elemente wird der Besucher während der gesamten Ausstellung animiert, sich mit verschiedenen Fragestellungen auseinanderzusetzen. So wird beispielsweise an einem Display nach der Einschätzung gefragt, welche Automarke von welchem gesellschaftlichen Milieu gefahren wird. Per Drag  & Drop können die Automarken jeweils zugeordnet werden.

Trotzdem bin ich der Meinung, dass die Ausstellungsmacher ihrem selbst formulierten Anspruch nicht hundertprozentig gerecht werden. Auf der Webseite heißt es:

„Die Ausstellung im Haus der Geschichte macht mit ausgewählten Fahrzeugen, Medien, Plakaten, Fotos und Dokumenten die Faszination des Autos deutlich. Sie zeigt die soziale und kulturelle Bedeutung des Autos in Deutschland vor dem Hintergrund wirtschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen.“

Anhand von zwei Beispielen hatte ich persönlich erwartet, dass die soziale und kulturelle Bedeutung des Autos in Verbindung mit wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen aufgegriffen wird: dem Abgas-Skandal und dem Phänomen der SUVs in Städten. Der Abgas-Skandal ist ein aktuelles Thema, dessen Bewertung aufgrund des noch laufenden Prozesses noch aussteht, aber in der Ausstellung findet sich bloß ein kleines Objektschildchen dazu, was in meinen Augen einfach zu wenig ist – zumal dieses auch noch nicht nur aufgrund der Größe sondern auch seines Platzes schnell übersehen werden kann. Hier hätte man mehr daraus machen können bzw. müssen.

Ebenfalls mit einem kleinen Hinweisschild wird das Phänomen der SUVs abgehandelt. In den letzten Jahren nimmt die Zahl dieser Autos vor allem in den Städten zu und die Frage nach der Umweltverträglichkeit und des Nutzens dieser Wagen im Stadtverkehr sollte offensiver diskutiert werden. Eine Chance, die die Ausstellung, insbesondere vor ihrem eigenen Anspruch hier gehabt hätte.

Die App zur Ausstellung: „Bitte wenden Sie“

Der Grund für meinen Ausstellungsbesuch war ganz klar die App. Die Thematik an sich hätte mich, um ehrlich zu sein, nicht in das Museum gelockt. Umso gespannter war ich auf die digitale Begleitung durch die Ausstellung.

Die App wird bereits am Eingang zur Ausstellung mit einem Aufsteller beworben. Über freies WLAN (super!) kann die App durch Abscannen eines QR-Codes heruntergeladen werden. Allerdings hat dieser QR-Codes bei mir nicht funktioniert (nicht super!), sodass ich die Downloadadresse per Hand eingegeben musste. Durch die kurze URL (hdg.de/auto-app) war dies allerdings schnell machbar.

Die App ist so gestaltet, dass dem Besucher in jedem Ausstellungsraum eine kleine Aufgabe gestellt wird. Über ein Ortungssystem erkennt die App, in welchem Raum sich gerade das Smartphone befindet und schickt via Bluetooth die entsprechende Aufgabe. So müssen zum Beispiel die in der App angezeigten Objektbilder in der Ausstellung gefunden und abgescannt werden. Anschließend erhält der Nutzer einen kurzen Infotext über dieses Objekt. Die so eingesammelten Objekte werden im Spielverlauf gespeichert und dienen neben zusätzlich beantworteten Fragen dazu, den Auto-Typ des Nutzers (Auto-Liebhaber, Auto-Nutzer oder Auto-Hasser) zu bestimmen. Neben dieser spielerischen Begleitung durch die Ausstellung sind auch ein Auto-Memory sowie zahlreiche Ausstellungsobjekte samt Infotexten in der App integriert. Damit ist die App nicht nur vor Ort in der Ausstellung nutzbar. Informationen zur Ausstellung und zum Haus der Geschichte lassen sich ebenfalls finden.

Der General-Anzeiger Bonn hat ebenfalls über die App berichtet

Um es kurz und schmerzlos zu sagen: Die App ist bei mir durchgefallen! Und zwar aus einem Grund: sie funktioniert nicht einwandfrei. Und um es vorweg zusagen: Mein Smartphone erfüllt die im Google Playstore genannten Systemvoraussetzungen.

Im ersten Ausstellungsraum hat die App wunderbar funktioniert und ich war positiv überrascht, wie schnell die App erkannt hat, dass ich den Raum betreten habe. Ich konnte mühelos die ersten Aufgaben absolvieren. Doch dann kamen die Schwierigkeiten: Schon im nächsten Raum wurde mir keine Aufgabe mehr gestellt und auch im darauffolgenden Raum nicht. Da ich nun mal die App ausprobieren wollte, habe ich diese also neugestartet und habe die Ausstellung nochmal von vorne begonnen. Dies musste ich leider noch zwei weitere Male machen, da ich nun auch im ersten Raum keine Aufgabe mehr gestellt bekam. Beim vierten Anlauf lief die App immerhin bis zum Raum „Freiheit“, also dem vierten Raum, problemlos. So konnte ich einen ersten Eindruck von den Spielen und der Gestaltung der App gewinnen. Doch leider funktionierte anschließend die App wieder nicht.

Ich bezweifel, dass ein Nutzer überhaupt mehrere Male wieder von vorne anfängt, aber selbst wenn – das darf nicht passieren. Die App muss einwandfrei und direkt funktionieren ohne dass ein Neustart nötig ist. So macht auch eine noch so schön gestaltete App keinen Spaß und keinen Sinn. Es ist lobenswert, dass die App nach Eigenaussage intern durch eigenes Personal programmiert wurde, aber so kann ich die App nicht weiterempfehlen.

Bei den wenigen Aufgaben, die ich absolvieren konnte, ist mir allerdings eines positiv aufgefallen: Wenn man die abgebildeten Dokumente oder Fotos suchen und abscannen muss, findet eine Auseinandersetzung mit der Ausstellung statt, die es womöglich ohne die App nicht in dieser Weise gegeben hätte. Um nicht jedes Dokument einzeln in der Ausstellung erneut betrachten zu müssen, überlegt man, unter welcher Rubrik möglicherweise das gesuchte Objekte eingebettet ist. Damit setzt man sich automatisch mit dem Ausstellungskonzept und -aufbau auseinander. Ein schöner Effekt, wie ich finde.

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