Bei den Römern zu Besuch

Standard

Römervilla in Bad Neuenahr-Ahrweiler

Die Römervilla in Bad Neuenahr-Ahrweiler zählt nach Eigenaussage zu den interessantesten römerzeitlichen Baudenkmälern nördlich der Alpen. Anhand verschiedener Ausgrabungsschichten können ein Bau aus der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr., ein Herrenhaus aus der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr., ein Rasthaus aus dem 3. Jahrhundert, eine Metallschmelzerwerkstatt sowie ein frühchristliches Gräberfeld besichtigt werden. Mein Fazit des Besuchs fällt trotz dieser imposanten Ausgrabung gemischt aus.

Erste Hürde: den Übersichtsplan lesen und verstehen

Die Römervilla, ein 1.000 m2 großes Herrenhaus, wurde im Jahr 1980 bei Straßenarbeiten gefunden und die sich anschließenden Ausgrabungen dauerten weitere elf Jahre. Diese Zeitspanne vermittelt bereits einen ersten Eindruck sowohl über die Größe der Ausgrabung als auch über die Anzahl der gefundenen Stücke. Teilweise sind sogar noch die bunten Wandmalereien erhalten. Um diesen Fund Besuchern zugänglich zu machen, wurde ein Museumsbau mit vielen Holzelementen (Decke des Baus auf dem Beitragsbild erkennbar) gebaut. Das Gebäude besteht aus drei Etagen: Im Untergeschoss kann sich der Besucher einen kurzen Film über die Geschichte der archäologischen Arbeiten sowie einzelne Vitrinen zu den Themen „Das Ahrtal unter den Römern“ und „Werkzeuge eines Archäologen“ ansehen. Auf der Ebene des Eingangs liegt die Ausgrabungsstelle, die über Holzwege betreten werden kann. Im Obergeschoss ist ein Modell der Römervilla nachgebaut. Leider sind das Unter- und Obergeschoss nicht barrierefrei – in meinem Fall mit Kinderwagen ein kleines Hindernis.

Wie bereits einleitend erwähnt, fanden die Archäologen bei ihren Arbeiten verschiedene Bauwerke bzw. ihre Überreste, aus verschiedenen Jahrhunderten. Diese verschiedenen Bauabschnitte sind an einigen Stellen in der Ausstellung betont, sodass eindrücklich verdeutlicht wird, welche verschiedenen Schichten im Laufe der Zeit aufeinander verbaut wurden. Diese Tatsache – also dass hier Bauten aus verschiedenen Zeiten präsentiert werden, die teilweise angebaut, abgerissen oder eingestürzt sind – macht es für den Besucher allerdings zu einer Herausforderung, die verschiedenen Bauabschnitte mitzuverfolgen. An der Kasse bekommt man zwar einen Übersichtsplan mit Grundriss und kurzen Infotexten zu einzelnen Abschnitten; dieser ist jedoch in meinen Augen aus verschiedenen Gründen in der Nutzung durchgefallen:

Wissentlich um die Problematik der verschiedenen Bauelemente soll dieser Plan verdeutlichen, welcher Abschnitt der Ausgrabung beispielsweise zum Herrenhaus oder dem späteren Rasthaus gehörte. Anhand verschiedener Farben soll visualisiert werden, dass zum Beispiel der Raum mit der Nummer 42 das Badehaus des ersten Gebäudes war, das jedoch mit Bau des Herrenhaus abgetragen wurde. Die Schwierigkeit besteht jedoch leider darin, dass die gewählten Textfarben – auch aufgrund des schwachen Lichts im Museumsgebäude – kaum zu unterscheiden sind. Damit fiel mir das Lesen des Plans und vor allem das Nachvollziehen der Baugeschichte schwer. Hinzukommt, dass das gesamte Layout dieses Plans nicht besonders übersichtlich gestaltet ist. Die Texte in diesem Plan sind darüber hinaus in den meisten Fällen die selben wie die, die in der Ausstellung auf Plexiglas-Stelen angebracht sind.

Mir persönlich fehlte zudem die Einordnung in den historischen Kontext. Bis auf einige wenige Vitrinen zu Themen wie Körperpflege, Erziehung, Landwirtschaft, Ernährung gab es keine Darstellung der römischen Geschichte. So kann man zum Beispiel in einem Infotext lesen, dass eine Vermischung von römischen, keltischen und germanischen Kulten stattfand, als die Römer ins Rheinland kamen. An dieser Stelle wird weder auf die verschiedenen Religionen noch auf die Expansionsgeschichte des Römischen Reichs eingegangen bzw. diese kann auch nicht an anderer Stelle in der Ausstellung als kurzer Überblick nachgelesen werden. Ich bin der Meinung, dass man nicht von den Besuchern erwarten kann, dass sie auf Anhieb eine historische Einordnung der oben genannten Jahrhunderte (die Bauzeiten der jeweiligen Teile der Ausgrabung) vornehmen können und daher sehe ich es als zentrale Aufgabe der Ausstellung dies zumindest überblicksartig zu übernehmen. Eine Vertiefung in die Geschichte kann der Besucher anschließend eigenständig mit Hilfe einschlägiger Literatur vornehmen.

Was bei den jüngeren Museumsbesuchern sichtlich gut ankommt, ist das Quiz. Dieses leitet die Kinder und Jugendliche spielerisch durch die Ausgrabung und lässt nach kleinsten Details suchen. Und natürlich stoßen die Gummibärchen beim erfolgreichen Abschluss der Rallye auch auf Zustimmung. 🙂 Generell verspricht das Angebot für Kinder jede Menge Spaß und spielerische Annäherung an die Thematik. Auch die angebotenen Kostümführungen, bei denen die Hausherrin der Römervilla zum Besuch einlädt, verspricht ein tolles  Erlebnis.

Mein Fazit:  Die oben genannten Schwierigkeiten der Thematik und der Baugeschichte auf Anhieb zu folgen, wiegen in meinen Augen schwer. Denn so wird eine unnötige Hürde aufgebaut, sich näher mit der Geschichte der Gebäude und der Römer (im Ahrtal) zu beschäftigen. Das ist sehr schade. Doch die Angebote für Kinder und die Kostümführungen zeigen auf der anderen Seite, dass es sich das Museum zur Aufgabe gemacht hat, Geschichte lebendig zu vermitteln. Dies lässt mich hoffen, dass auch bald eine Überarbeitung zumindest des Übersichtsplans erfolgen wird.

Advertisements

Ein Monster-Besuch im Max Ernst Museum

Standard

Max Ernst Museum Brühl des LVR

Vergangenen Freitag eröffnete das Max Ernst Museum die Sonderausstellung „Miró – Welt der Monster„, die bis zum 28.01.2018 dort zu sehen sein wird. Auf Einladung war ich bei der Eröffnung dabei und werde im folgenden Blogbeitrag vor allem über die App und ob bzw. inwiefern diese die Miró-Ausstellung bereichert schreiben. weiterlesen

Das digitale Portal des Deutschen Museums

Standard

Deutsches Museum 

Seit ein paar Tagen ist das digitale Portal des Deutschen Museums online, eine Datenbank mit derzeit rund 40.000 Objekten des Museums. Ich habe das Portal sowohl am PC als auch auf dem Tablet und dem Smartphone getestet. Für mich zeigt sich, dass der erste Schritt ins Digitale zwar gemacht ist, aber noch viel Potenzial ausgeschöpft werden kann. weiterlesen

Deutsche Kolonialgeschichte ausgestellt

Standard

Deutsches Historisches Museum

Seit dem 14. Oktober präsentiert das Deutsche Historische Museum in Berlin (DHM) eine Ausstellung unter dem Titel „Deutscher Kolonialismus. Fragmente seiner Geschichte und Gegenwart“. Mit diesem Blogartikel möchte ich mir das Rahmenprogramm dieser Ausstellung, insbesondere das digitale Angebot, näher ansehen. weiterlesen

Ein Schloss in den Bergen. Das kleine Traumschloss von Ludwig II.

Standard

Schloss Linderhof

Wenn man an König Ludwig II. von Bayern denkt, fallen einem wohl direkt die beiden Schlösser Schloss Neuschwanstein und Schloss Herrenchiemsee ein. Jährlich besuchen allein das Schloss Neuschwanstein knapp 1,3 Mio. Interessierte (Stand 2011). Da fällt das „kleine“ Schloss Linderhof mit 400.000 Besuchern ein wenig hinten ab. Nichtsdestotrotz lohnt sich ein Besuch. weiterlesen

Tweetwalk analog. Rundgang durch die Ludwiggalerie

Standard

Ludwiggalerie Schloss Oberhausen

Als im letzten Jahr die Einladung eintrudelte, war ich doch erstaunt: Ein Tweetwalk ohne WLAN und damit auch ohne Twitter? Ein Tweetwalk eben analog. Ich war gespannt und sagte zu. Die Führung durch die Ausstellung „AMERICAN POP ART. Meisterwerke massenhaft von Robert Rauschenberg bis Andy Warhol aus der Sammlung Beck“ fand gestern (Samstag, den 13. Februar) statt. weiterlesen

Mit dem Audioguide durch die Festung Dresden

Standard

Die Festung Dresden

Um es vorweg zu nehmen und um ehrlich zu sein, bin ich kein besonders großer Freund von Audioguides. Ich nehme lieber an einer Führung teil oder lese mir die Ausstellungstexte individuell durch. Aber der Audioguide, den ich in der Festung Dresden bei meinem Rundgang durch die Anlage gehört habe, hat mich begeistert. weiterlesen