Ein Monster-Besuch im Max Ernst Museum

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Max Ernst Museum Brühl des LVR

Vergangenen Freitag eröffnete das Max Ernst Museum die Sonderausstellung „Miró – Welt der Monster„, die bis zum 28.01.2018 dort zu sehen sein wird. Auf Einladung war ich bei der Eröffnung dabei und werde im folgenden Blogbeitrag vor allem über die App und ob bzw. inwiefern diese die Miró-Ausstellung bereichert schreiben.

„Fortentwicklung zu etwas Neuem“

Die Ausstellung wurde von dem Museumsdirektor und Ausstellungskurator Achim Sommer, Olivier Kaeppelin – Direktor der Fondation Marguerite et Aimé Maeght in Frankreich – und dem Ausstellungskurator und wissenschaftlichen Mitarbeiter des Museums Patrick Blümel eröffnet. Sommer griff in seiner Eröffnungsrede, nachdem er die Bedeutung des Künstlers Mirós für das Max Ernst Museum eingeordnet hatte, die Wichtigkeit der Digitalisierung auf. Das Museum habe sich das Motto von Miró, stets zu einer Fortentwicklung zu etwas Neuem beitragen zu wollen, zu Herzen genommen und habe sich aus diesem Grund dazu entschlossen, die Digitalisierung in Form von einer App einzubinden. Es müsse gelingen, Bildungs- und Vermittlungsarbeit so zugestalten, dass sie den Besuchern Spaß mache. Das Ziel der Ausstellung sei es, eine Zusammenarbeit von Jung und Alt – schmunzelt vom Museumsdirektor durch seine Person und ersteres durch Patrick Blümel repräsentiert – herzustellen, denn beide würden sich in unterschiedlichen Bereichen ergänzen und würden so das Ergebnis bereichern. Sommer betonte dabei auch, dass sich das Museum als Institution nicht vor der Digitalisierung und den damit verbundenen Veränderungen verschließen könne. Die Frage wäre an dieser Stelle viel mehr, inwiefern das Museum diese Veränderungen mitgestalten und für sich und seine Aufgaben verwenden könne. Auch werde die in vielen Diskussionen zu diesem Thema zitierte Aura des Objekts durch die Digitalisierung nicht abgeschafft. Sommer sieht in der Technik vielmehr eine Unterstützung für das reale Objekt.

Okay, ich denke, an dieser Stelle muss man erst einmal innehalten und das Gehörte bzw. Gelesene sacken lassen. Alle Verfechter (inklusive meiner Person), die eine Öffnung der Kulturinstitutionen für diese Aspekte fordern, die Museen auffordern, aktiv den Weg und die Veränderungen mitzugestalten, werden sich mehr solcher Museumsdirektoren/ Entscheider wünschen. In meinen Augen waren die Erläuterungen von Achim Sommer überzeugend und klangen selbstverständlich, dass es mir Freude machte zuzuhören. Auch wenn ein Rest Zweifel blieb, da man im Vorfeld vieles erklären kann, aber es dann schließlich doch auf die konsequente Umsetzung des Gesagten ankommt. Ich war also auf die App gespannt.

Eine App für Katalog und Ausstellung

Der wissenschaftliche Mitarbeiter Patrick Blümel stellte nach den Ausführungen von Sommer die neue App des Museums bzw. einen Teilbereich dieser App vor. In den App-Stores von Google und Apple kann diese App, die in Zusammenarbeit mit dem Cologne Game Lab entstanden ist, heruntergeladen werden und dient sowohl für die Ausstellung als auch für den Katalog. Das Museum bietet im Eingangsbereich auch freies WLAN für den Download an. Supi!

Blümel erläuterte die Besonderheiten für den Katalog: In diesem Katalog befinden sich einige Abbildungen des Künstlers, die mit einem bestimmten Zeichen versehen sind. Diese Abbildungen können mit der App abgescannt werden, sodass auf dem Bildschirm des Smartphones 360-Grad-Plastiken erscheinen. D.h., dass diese Skulpturen Mirós nicht nur von vorne, wie in der Ausstellung überwiegend oder im gedruckten Katalog, betrachtet werden können, sondern eben auch von der Seite, von oben und von hinten.

davEin schöner Effekt, der sich so meine Vermutung allerdings schnell abnutzen wird, da der weitere Nutzen für den Besucher fehlt, wenn er sich die Plastiken einmal rundherum angesehen hat. Allerdings sagte mir eine Museumsmitarbeiterin, wie wichtig es sei, die Werke eben auch von hinten zu sehen und dass dies für Kunsthistoriker noch keine Selbstverständlichkeit sei. An dieser Stelle gebe ich gerne zu, dass mir hier der kunsthistorische Hintergrund fehlt und mir daher vielleicht die Bedeutung der App nicht in einem solchem Maße relevant erscheint wie für Kunsthistoriker mit einem Forschungsinteresse. Positiv erwähnt werden muss die Schnelligkeit, in der die 360-Grad-Abbildungen auf dem Display erscheinen und wie „standsicher“ diese sind, wenn das Smartphone bewegt wird, um den Rundblick zu ermöglichen.

Auch bei der App habe das Museum, so Blümel, das Ziel gehabt, mit der Darstellung eines progressiven Künstlers selbst auch  progress zu sein. Wie ich finde, ein toller Ansatz!

Nach dieser App-Vorstellung stellte der französische Kooperationspartner Kaeppelin die Bedeutung Mirós und seiner Werke, auch für die heutige Gesellschaft, heraus. Anschließend wurde ein Gang durch die Ausstellung in Anwesenheit der Podiumsteilnehmer ermöglicht.

Mit der App auf Schatzsuche

Die Ausstellung ist in verschiedene Bereiche untergliedert, die jeweils durch einen kurzen Wandtext eingeleitet werden. So gibt es beispielsweise Abschnitte zu den Themen „Miró & der Surrealismus“, „Kunst als Widerstand“ und „Der spanische Bürgerkrieg“. Passend zu den Werken des Künstlers wurden mit den Farben rot, gelb und blau Highlights in der Ausstellungs gesetzt.

Ein Blick in die Ausstellung

Das Museum möchte neben der Erweiterung des Ausstellungskatalogs mit der App dem Besucher ermöglichen, den Schaffensprozess des Künstlers eigenständig nachzuempfinden. Um dies zu erreichen, soll der Museumsbesucher mit der App verschiedene Gegenstände, die sich als QR-Codes „getarnt“ auf den Wänden befinden, einsammeln. Diese Codes seien absichtlich niedrig angebracht, damit vor allem die jüngeren Besucher hier animiert werden, die App zu nutzen. Aber auch als Erwachsener muss man sich nicht unnötig tief bücken. 🙂 Nachdem man einen Gegenstand abgescannt hat, erscheint dieser auf dem Smartphone-Display. Ebenso wird ein kurzer Infotext zum jeweiligen Gegenstand angezeigt. Diese Texte erläutern jeweils, aus welchen Gründen Miro genauso diese Gegenstände für seine Werke verwendet hat, welche Bedeutung sie jeweils für ihn hatten und was er damit an Botschaften an den Betrachter transportieren wollte. Auch werden dabei Zitate von Miró aufgeführt. Wenn der Besucher schließlich alle zehn Gegenstände eingesammelt hat, kann er aus diesen sich sein eigenes Monster zusammensetzen. Dazu scannt man erneut einen QR-Code ab und schon erscheint das Monster. Nun kann der Besucher nach eigenem Belieben die verschiedenen Bestandteile des Monsters, also die gefundenen Gegenstände, farbig einfärben und wenn er möchte, fotografieren und über verschiedene Social Media-Kanäle teilen.

Dieser Teil der App hat mich absolut überzeugt. Sie erfüllt in meinen Augen den Anspruch der Ausstellungsmacher, den Schaffensprozess von Miró nachempfinden zu können. Auch wenn vornehmlich eine jüngere Zielgruppe mit dieser Appnutzung angesprochen werden soll, hat die App auch für mich einen klaren Mehrwert: Ich erhalte Informationen zu ausgewählten Objekten und erfahre, aus welchen Gründen Miró diese verwendet hat. Dieses Hintergrundwissen hatte ich bei meinem ersten Rundgang durch die Ausstellung (ohne App) nicht. Ich habe daher mit der App die Kunstwerke nochmal mit anderen Augen wahrgenommen und habe tatsächlich angefangen, mich mit dem Entstehungsprozess der Werke im Detail zu beschäftigen und es hat mich neugierig auf mehr von Miró gemacht. Das bedeutet aber auch, dass ich mir ohne die Informationen in der App die Ausstellung kaum hätte erschließen können.

Mein Rundgand durch die Miró-Ausstellung und die gleichzeitige Nutzung der App hat für mich wieder klar gemacht, dass eine Ausstellungskonzeption mit der Einbindung digitaler Aspekte positive Effekte in der Vermittlungs- und Bildungsarbeit haben kann. Wichtig dabei ist, dass das Digitale als Unterstützung konzipiert ist und einen tatsächlichen Mehrwert für den Besucher bietet.

Und dass auch spielerische Elemente, die Spaß machen, einen positiven Effekt auf die Wissenvermittlungs haben, kann ich hier bestätigen. Mit der App auf Schatzsuche nach  den Gegenständen gehen und sich anschließend diese im Kunstwerk im Detail betrachten zu können, hat mir andere Möglichkeiten geboten, mich mit dem Künstler auseinanderzusetzen.

Hier noch ein kleines Teaser-Video des Museums zur Ausstellung.

 

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