Museumsbesuch

Blogparade „#Kultblick“ vom Archäologischen Museum Hamburg

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Archäologisches Museum Hamburg

Das Archäologische Museum in Hamburg ruft in einer Blogparade dazu auf, den eigenen Kulturblick in einem Beitrag zu erläutern: Wie wird Kultur erfahren, gesehen, bewertet? Was ist an Kultur besonders wichtig? Welche Erlebnisse verbindet man mit Kultur? Gibt es etwas, was fehlt? Dies sind nur einige der Fragen, die das Archäologische Museum in seinem Aufruf vorgibt.

Was ist Kultur?

Allein diese Frage würde wohl eine gesamte Blogparade mit Diskussionsstoff füllen können. Im Ethnologiestudium wird diese Frage direkt im ersten Semester gestellt und, nachdem verschiedene Arbeitsdefinitionen aufgestellt worden sind, im späteren Studiumverlauf immer wieder neu diskutiert. Für mich ist Kultur vor allem eines: vielseitig und abwechslungsreich. Ich kann und möchte mir nicht anmaßen, darüber zu urteilen, was als Kultur gelten soll und was nicht. Für mich hat sich aber durch das Ethnologiestudium gezeigt, dass es eben eine Definitions-/ Perspektivsache ist, was Kultur ist. Allein schon den Begriff „Hochkultur“ finde ich unerträglich. Eine Hierarchisierung – und genauso das nimmt dieser Begriff vor und schließt damit eben auch ein, dass es eine „Niederkultur“ gibt – lehne ich kategorisch ab. Zumal sich mir dabei die Frage stellt, wer überhaupt eine solche Einstufung verschiedener Kulturstufen vornehmen „kann“. Für mich klar: Niemand! Daher vertrete ich den Standpunkt, dass Kultur, unabhängig von Land oder Branche, facettenreich und multiperspektivisch ist und für jeden Interessierten neue Möglichkeiten und Blickwinkel ermöglicht, wenn man sich darauf einlässt.

Wie sehe ich Kultur?

Aufgrund meines beruflichen und privaten Interesses stehen insbesondere Museen und Ausstellungshäuser in meinem Kulturblick. Aber genauso interessiere ich mich für Denkmäler, Ausgrabungen und Bücher.. Durch mein Studium lassen mich aber auch Themen wie Kolonialismus und Gender Studies nicht los, sodass ich bei Ausstellungsbesuchen oder der Wahl meiner Bücher entsprechend auf diese Themen achte, was natürlich nicht heißt, dass ich mir zum Beispiel andere Ausstellungen nicht ansehe. Ich möchte mich kontinuierlich über andere, neue Themengebiete informieren sowie Neues dazulernen und somit das vielseitige Angebot der Kulturbranche nutzen.

Daher habe ich auch keineswegs den Anspruch, dass mich jedes Kulturangebot anspricht. Um es offen und ehrlich zu sagen, reizen mich Opern, die häufig als der Teil eines typischen Kulturprogramms gesehen werden, nicht besonders. Aufgrund eines vielseitigen Kulturangebots sind die jeweiligen Zielgruppen auch entsprechend vielseitig und ich bin der Meinung, dass nicht jedes Kulturangebot auch Jeden ansprechen muss. Von Bedeutung ist in meinen Augen allerdings trotzdem, dass eine Kulturinstitution aktiv eine Rolle in gesellschaftlichen Diskussionen einnimmt und sich gegenüber neuen Entwicklungen offen zeigt, sozusagen auch „mit der Zeit geht“. Und damit wäre ich bei einem Punkt, der mir aus beruflichem Beweggründen als IT-Projektleiterin ebenfalls wichtig erscheint, aber noch viel zu häufig außer Acht gelassen bzw. aus verschiedenen Gründen vehement abgelehnt wird und der mir, um auf eine der Fragestellung der Blogparade einzugehen, fehlt: die Selbstverständlichkeit bei Themen, die alles rund um „das Digitale“ betreffen.

Was fehlt mir? 

Um es kurz und knapp zu sagen, fehlt mir bei den meisten Kultureinrichtungen ihre spezifische (digitale) Strategie. Diese Strategie sollte ein allumfassendes Konzept bieten, dass alle Abteilungen im Haus intern mitnimmt und beteiligt. Zudem gehört auch dazu, dass sich die Kulturinstitution nicht nur darüber Gedanken macht, wie sie ihre Zielgruppe und neue Zielgruppen online erreicht und anspricht, sondern eben auch in der analogen Welt. Es macht häufig den Eindruck, dass bruchstückhaft verschiedene Ideen und Elemente angedacht und umgesetzt werden, aber so kein schlüssiges Gesamtbild, kein Markenkern der Einrichtung entsteht. Im Sinne eines digitalen Weges reicht es nicht aus, eine Facebook-Seite zu haben oder eine App programmieren zu lassen. Vielmehr steht zu Beginn die Überlegung, wen man ansprechen möchte, was man erreichen möchte und welches übergeordnete Ziel generell verfolgt werden soll. Anschließend sollte nach der passenden Plattform gesucht werden.

Für mich unstrittig ist jedoch der Betrieb einer aktuellen, gepflegten und mobil optimierten Webseite. Ich sehe diese als Tür zur jeweiligen Einrichtung und als gleichzeitiges Aushängeschild: Hier können wichtige Informationen für möglichst alle Zielgruppen aufbereitet und präsentiert werden. Von der Webseite können dann zielgruppenspezifische, weiterführende Angebote verlinkt werden. Da mein letzter Museumsbesuch im Haus der Geschichte in Bonn war, kann ich diese Webseite als Positivbeispiel nennen: Beim Aufrufen der Webseite erscheint ein Pop-Up mit der aktuellen Information, dass derzeit die Dauerausstellung aufgrund Umbaumaßnahmen geschlossen ist. Diese Info ist zudem auch in englischer Sprache. Hier erhält der Besucher somit direkt diese für seinen Besuch wichtige Mitteilung – leider erscheint das Pop-Up beim Laden jeder (Unter-)Seite, was auf Dauer stört. Neben den üblichen Informationen zu Öffnungszeiten und Ausstellungen kann auf der Webseite nachgelesen werden, dass die Ausstellungen auch mit Rollstühlen und Kinderwagen besucht werden können – das Thema Barrierefreiheit wird vom Haus der Geschichte als eigene Rubrik aufgegriffen und detaillierte Informationen werden gegeben. Der übersichtliche Internetauftritt des Hauses erleichtert den Besuchern und Interessierten den Zugang zur Institution und ihrer Arbeit: So kann sowohl der eigene Museumsbesuch vorbereitet als auch in den verschiedenen Online-Angeboten (App, Zeitzeugenportal) gestöbert werden.  Dieses Beispiel zeigt bereits, in welcher Art und in welchem Umfang verschiedene Zielgruppen bedient und angesprochen werden können, ohne dass diese überhaupt einen Fuß ins Museum gesetzt haben. Hier dient die Webseite als, wie von mir bereits erwähnt, Tür zur Kultureinrichtung.

Diese unterschiedlichen Zielgruppen lassen sich darüber hinaus durch facettenreiche Angebote wie Führungen mit Baby (siehe zum Beispiel die Angebote des LVR Landesmuseums oder der Bundeskunsthalle in Bonn), Führungen für Senioren oder in ausgewählten Fremdsprachen sowie spezielle „Bloggerabende“ (siehe zum Beispiel das Deutsche Historische Museum oder die Ludwiggalerie in Oberhausen) ansprechen und mit dem Museum vernetzen. Gerade diese Vernetzung, dieser Dialog stellt nicht nur für die Eingeladenen eine Bereicherung in Form eines spaßigen, interessanten Events dar, sondern bietet auch dem jeweiligen Museum die Möglichkeit, aus ihrem viel zitierten Elfenbeinturm herauszukommen und sich auf Augenhöhe mit Kulturinteressierten zu vernetzen und die Perspektiven auszutauschen. Dies bedeutet aber auch wiederum, ein Stück Deutungshoheit und damit auch Macht abzugeben. Und ich denke, dass genau dieser Aspekt das eigentliche Argument ist, warum so viele Kultureinrichtungen sich (noch) gegen die Umsetzung digitaler Angebote und/ oder Social Media wehren. Häufig werden zwar die finanziellen Gründen genannt, die gegen neue Techniken oder neue Stellen sprechen, aber könnte man nicht auch anhand einiger Beispiele, vor allem kleiner Einrichtungen, sagen: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg?“

 

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