Ein Gang durch die Festung Ehrenbreitstein

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Festung Ehrenbreitstein

Die Festung Ehrenbreitstein in Koblenz gehört zur Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, deren Direktionen die Erforschung, Sicherung, Sammlung und Vermittlung des Kulturellen Erbes des Landes als zentrale Aufgabe definiert haben. Nicht nur die Festungsanlage mit ihrer Geschichte, sondern auch das Landesmuseum Koblenz kann auf Ehrenbreitstein besichtigt werden.

Moderner Webauftritt, aber noch nicht einheitlich

Wie bei jedem Museumsbesuch informiere ich mich vorab über die jeweilige Einrichtung und ihre Geschichte im Internet. Hier möchte ich positiv hervorheben, dass die Seite der Festung Ehrenbreitstein (aber auch die des Landesmuseums Koblenz, des Schloss Stolzenfels, der Burg Pfalzgrafenstein, der Burg Sooeneck und des Schloss Bürresheim) zum einen modern gestaltet, aber auch für mobile Endgeräte optimiert sind. Auf der Seite der Festung findet man die „klassischen“ Informationen wie Öffnungszeiten, Preise sowie Publikationen und Literatur. Es stehen aber auch Flyer wie der Veranstaltungskalender zum Download zur Verfügung. Die Webseite ist klar in die Bereiche Info, Erleben, Events und Ausstellungen strukturiert, sodass man sich gut zurecht finden kann. Auch der Hinweis auf die Social Media-Kanäle fehlt nicht: In der Desktop-Variante läuft ein kleines Facebook-Icon am rechten Bildrand mit. Auffällig ist jedoch, dass am Ende jeder Seite neben einem kleinen Facebook-Icon auch noch auf einen Twitter-Kanal verwiesen wird – dieser aber nicht über die Leiste am rechten Rand beworben wird. Ansonsten halte ich die Seite für gelungen. Leider noch immer keine Selbstverständlichkeit im Kulturbereich, aber an dieser Stelle wurden die Hausaufgaben gemacht.

Scrennshot_Website

Allerdings muss ich auch erwähnen, dass der Webauftritt der Generaldirektion noch überarbeitungswürdig ist – zumal die verschiedenen Internetseiten der Einrichtungen damit nicht im einheitlichen Design gehalten werden. Schade.

Screenshot_Website Generaldirektion

 

Die Stationen der Festungsgeschichte

Bei dem Besuch der Festung Ehrenbreitstein lag mein Fokus auf der Festungsgeschichte. Ich habe mir zwar auch das Haus der Fotografie und die Ausstellung „Cowboy&Indianer“ angesehen, aber dies soll hier nicht thematisiert werden.

Es gibt auf der gesamten Anlage zwölf Stationen der Festungsgeschichte, die mit Hilfe eines Übersichtsplans angesteuert werden können. Die erste Station – untergliedert in vier Abschnitte – führt die Besucher anhand einer kleinen Ausstellung in die Geschichte ein: Beginnend mit der Jungsteinzeit, über die Römerzeit und das Mittelalter bis hin zum 18. und 19. Jahrhundert zeigen einzelnen Objekte die Bau- und Besiedlungsgeschichte von Ehrenbreitstein. Besonders interessant sind hierbei die Modelle, die die Baugeschichte zu verschiedenen Zeiten exemplarisch visualisieren. In den folgenden drei Abschnitten wird die Festungsgeschichte ab dem 17. Jahrhundert beleuchtet. Alle Abschnitte sind mit schwarzen Sockelvitrinen, die mit Einzelobjekten und einem kurzen Text ausgestattet sind, einheitlich, aber auch wenig spektakulär gestaltet. Größere Texttafeln in der Mitte der Räume führen allgemein in die jeweilige Thematik ein. Durch die Ausstellung von nachgebildeten Soldatenstuben und Uniformen, bei denen ein 360°-Grad-Blick möglich ist, wird versucht, die Festungsgeschichte lebendig wirken zu lassen. Diese lebendige Gestaltung findet sich auch immer wieder beim Gang über die Festung, so zum Beispiel bei der Station 11. Dort wird auf Knopfdruck ein Audio abgespielt, auf dem neben inhaltlichen Informationen auch die typischen Geräusche von explodierenden Minen und das Schürfen von Schaufeln zu hören ist.

An dieser Stelle auch der Hinweis auf die Erlebnisführungen, die auf der Festung angeboten werden. 

Auf der Festung

Auf der Festung

Kleinere Ausstellungsräume wie die Stationen sechs und zehn ermöglichen einen Blick in die Werkstatt eines Büchsenmachers und eine Wachstube. Dadurch bleibt das Festungsleben der damaligen Soldaten nicht bloß eine abstrakte Vorstellung, sondern der Besucher kann sich direkt ein Bild davon machen, wie es vermutlich zum jeweiligen Zeitpunkt ausgesehen hat. Insbesondere die Gefängniszellen (Station zwei) dürften aufgrund ihrer Enge einen gewissen Eindruck hinterlassen.

Apropros Eindruck: Als kritisch habe ich das Mahnmal für die toten Soldaten des Ersten und Zweiten Weltkriegs empfunden. Auf einer Erinnerungstafel, die von der Bundeswehr 1972 gestiftet wurde, ist zu lesen, dass in den „beiden grossen Kriege[n] […] Soldaten ihr Leben für Deutschland gaben. Ihr Opfer, ihre Tapferkeit und ihr Leiden sollen unvergessen bleiben.[…]“. Selbstverständlich steht auf einer Festung das Militärische im Vordergrund der Betrachtung und Darstellung, aber insbesonderes an dieser Tafel ist mir aufgefallen, wie unkritisch mit bestimmten Aspekten der Geschichte der Festung von Ausstellungsseite umgegangen wird. So würde ich mir an der oben genannten Erinnerungstafel  eine zusätzliche historische Einordnung wünschen, die beispielsweise Erinnerungspolitik im Wandel der Zeit erörtert.

Im Großen und Ganzen lohnt sich ein Besuch der Festung Ehrenbreitstein. Man sollte genug Zeit mitbringen, um allein die Festungsanlage in Ruhe besichten zu können (für die Ausstellungen im Landesmuseum lohnen sich weitere Besuche). Anhand der Stationen und dem Übersichtsplan ist eine Orientierung sowohl geographisch als auch thematisch möglich. Bei meinem Besuch wirkte vieles noch in der Umgestaltung, insbesondere die Anlagen um die Festung herum. Ein späterer Besuch wird also sicherlich wieder Neues bringen. 🙂

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