MAI-Tagung in Bonn

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Neben der Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes (Zusammenfassung von Markus Speidel hier) lockt auch jährlich die MAI-Tagung zahlreiche Museumsmitarbeiter und -interessierte. Auf der MAI-Tagung steht die Nutzung digitaler Medien und neuer Technologien für den Kulturbereich im Zentrum der Vorträge und Diskussionen (mehr dazu hier). Die Tagung wird vom LVR veranstaltet und fand dieses Jahr in Bonn, im Museum König, statt. Ziel dieses Artikels soll es nicht sein, jeden einzelnen Vortrag wiederzugeben – die Vorträge werden hier online gestellt – sondern mir geht es darum, einige Aspekte besonders hervorzuheben und zu betonen.

Digitale Strategie = Neuland?

Am ersten Tagungstag ging es vor allem um die Entwicklung von Strategien für das Online-Marketing. Das Deutsche Historische Museum Berlin sowie das Neanderthal Museum in Mettmann stellten anhand ihrer Erfahrungen verschiedene Aspekte im Umgang mit Whatsapp vor. Michèle Lichte betonte die Möglichkeiten von Instagram für Kultureinrichtungen und nannte einige Best Practices. Alle drei Vorträge verdeutlichten, wie wichtig es für Museen ist, sich mit „neuen“ digitalen Entwicklungen – sowohl den verschiedenen Techniken als auch den Netzwerken und Plattformen – auseinanderzusetzen. Denn über diese Netzwerke können Museen ihre (neuen) Zielgruppen erreichen, ansprechen und mit ihnen kommunizieren. Während der sich an die Vorträge anschließende Diskussion wurde schnell klar, dass es für Kultureinrichtungen nicht darum gehen kann, alle Plattformen zu bedienen, sondern vielmehr muss (und nicht nur „sollte“) eine Strategie entwickelt werden, in der u.a. festgelegt wird, welche Zielgruppe über welche Plattform angesprochen werden soll. Häufig ist in solchen Diskussionen die Aussage zu hören, dass man ja bereits eine Facebook-Seite betreibe und geschlussfolgert wird, dass man damit digital unterwegs sei. Hier liegen meiner Ansicht nach zwei Missverständnisse vor:

  1. Wenn gefordert wird, dass sich Museen dem Digitalen öffnen, ist damit keineswegs gemeint, dass jedes Museum eine Facebook-Seite bespielen muss. Vielmehr geht es darum, dass jedes Haus für sich individuell eine digitale Strategie erarbeiten muss und die eigenen Ziele, Wünsche, Möglichkeiten dabei absteckt. Auf Grundlage einer solchen Strategie können schließlich Seiten in den sozialen Netzwerken erfolgreich gemanagt werden. Und dann wird sich schnell herausstellen, dass das Betreiben einer professionellen Social Media-Seite viel Arbeit bedeutet (und nicht mal eben so nebenbei gemacht werden kann – wie leider häufig noch gedacht).
  2. Eine Facebook-Seite (natürlich auch andere Profile in den sozialen Medien) läuft nicht von alleine. Hier müssen Ressourcen investiert werden. Auch kann nicht erwartet werden, dass man über Nacht tausende Follower erhält. Auch an dieser Stelle ist eine Strategie Voraussetzung. In einer Strategie sollten zum Beispiel auch klare Ziele festgelegt werden, die kurz- und langfristig mit dem Betreiben von Social Media-Seiten erreicht werden sollen.

Bei einigen weiteren Vorträgen auf der Tagung entstand bei mir der Eindruck, dass sich die Kultureinrichtungen noch „austoben“: Es werden verschiedenen Plattformen und Techniken ausprobiert ohne konkrete Ziele im Vorfeld entwickelt zu haben, eben ohne eine Strategie. So wirkt das Handeln dieser Einrichtungen schnell zusammenhangslos. Denn gerade die einheitliche Präsenz vor den Besuchern in den Bereichen Webseite, Social Media, Vor-Ort- Informationen schafft einen Wiedererkennungswert, der Aufmerksamkeit bedeutet und Interessierte bindet. Das Frankfurter Städel (E-Learning, Angebote für Menschen mit Demenz) und das Kölnische Stadtmuseum (#depotdienstag, histobar) zum Beispiel zeigen, dass es in der heutigen Arbeit für Museen nicht mehr nur allein darum geht, (gut besuchte) Ausstellungen zu schaffen. Sondern es geht darum, in Kontakt und in den Austausch mit Interessierten zu treten und ein Netzwerk zu bauen. Diesen gesellschaftlichen Aspekt sehe ich als DIE Aufgabe für Museen. Bei der Umsetzung dieser Aufgabe kommt es auf die Verknüpfung von analogen und digitaler Welt an.

Diese Forderung ist nun keine neue, doch leider wurde mir auch auf der diesjährigen MAI-Tagung klar, dass es – bis auf einige wenige Ausnahmen – keine Kultureinrichtungen gibt, die eine digitale Strategie hat und vor allem auch lebt! Die Trägheit und Langsamkeit in dieser Entwicklung löst bei mir regelmäßig Kopf schütteln und Unverständnis aus.

An dieser Stelle ein kleiner Lesehinweis auf den Hashtag #digsmus.

Umso mehr freute ich mich dann zu hören, dass Virtual Reality als „neue“ Technik den Weg ins Museum findet.

Virtual Reality als Besuchermagnet

Im Rahmen dieses Schwerpunktthemas stellten u.a. das Max Ernst Museum in Brühl und das Senckenberg Naturkundemuseum in Frankfurt ihre Erfahrungen mit dem Einsatz von VR vor. Im Naturkundemuseum kam die Technik gleich mehrfach zum Einsatz (mehr in dem Vortrag hier), indem Dinosaurier und ihre Lebenswelten animiert und für den Besucher damit erlebbar gemacht wurden. In meinen Augen eine absolut grandiose Möglichkeit, Wissen informativ, anschaulich, aber auch mit Spaß zu vermitteln. Ich denke, auf diese Weise können nicht nur Dinosaurier-Interessierte, sondern auch Technikaffine begeistert werden. Und hier wird keineswegs zugunsten von Effekthascherei auf wissenschaftliches Wissen verzichtet – das Wissen wird stattdessen auf eine andere Weise aufbereitet und dargestellt.

Warum gibt es also so wenig Ausstellungen mit der VR-Technik? Natürlich, das liebe Geld. Da ist mein Lieblingsargument wieder! Es stimmt, diese Technik ist nicht günstig. Allein für die Hardware muss bereits einiges investiert werden. Die meisten Kultureinrichtungen haben nicht das nötige Kleingeld, um dies zu stemmen. Häufig fehlt schon das Geld, um eine Person für den Social Media-Bereich einzustellen. Das Argument des fehlenden Budgets ist unschlagbar, aber was bedeutet dies dann konkret? Potenzielle Besucher kommen nicht mehr ins Museum, Großkonzerne übernehmen Bildungs- und Forschungsaufgaben und Museen haben damit keinerlei gesellschaftliche Funktion mehr. Das kann und darf nicht sein.

Ich habe es in der Tat etwas drastisch und überspitzt formuliert, aber der Thron, auf dem sich viele Museen noch sehen, wackelt bereits. Es liegt daher auch bei den Museen und Kultureinrichtungen sich alternative Finanzierungsmöglichkeiten oder -wege zu erschließen. Dies bedeutet aber auch, sich öffnen, offen sein für Neues und Input von Außen einholen.

Und natürlich gibt es bereits einige Häuser, die sich auf den Weg gemacht haben, aber es sind immer noch zu wenig. Und allein, dass bestimmte Diskussionen rund im die Digitalisierung noch geführt werden, zeigt, dass die Museumswelt noch viel zu tun hat!

Als kleiner Hörtipp: Ein paar Interviews mit Referenten, geführt vom Team von museumsfernsehen.

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