App „Koloniale Hintergründe“

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Museum für Völkerkunde in Hamburg

Das Völkerkundemuseum Hamburg hat in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Jürgen Zimmerer, Leiter der Forschungsstelle „Hamburgs (post-)koloniales Erbe“, das Projekt „Kolonialismus und Museum“ ins Leben gerufen. In drei Seminaren haben sich Studierende intensiver mit den kolonialhistorischen Hintergründen des Museums beschäftigt und dabei diese App entwickelt.

Inhalte und Aufbau der App

Die App beinhaltet vier Themenrundgänge, die separat geladen werden können, für das Museum: zwei Rundgänge unter dem Titel „Koloniale Hintergründe: Das Museum für Völkerkunde Hamburg“ und zwei Rundgänge zum Thema „Bemerkenswerte Dinge“.

app_koloniale-hintergruende_rundgangAlle vier Rundgänge sind gleich aufgebaut. Ein Aspekt eines Rundgangs besteht aus einem Headerbild (beispielsweise ein Objekt oder eine Landkarte) und einem kurzen Text zur Erläuterung. Das Bild kann durch Anklicken vergrößert werden. Über eine Menüfunktion können die einzelnen Themen eines Rundgangs zudem separat ausgewählt werden – statt durch Wischen das nächste Thema aufzurufen.

Die beiden Rundgänge „Koloniale Hintergründe: Das Museum für Völkerkunde Hamburg“ beinhalten zunächst eine allgemeine Einführung in die Kolonialgeschichte und legen die Rolle der Museen im kolonialen Kontext dar, indem zum Beispiel die Erwerbung der Objekte thematisiert wird. Anschließend folgen verschiedene Themen wie die postkolonialen Theorien, die Geschichte des Museums, die zahlreichen Expeditionen im 19. Jahrhundert und die koloniale Begeisterung. Am Ende eines jeden Rundgangs befindet sich noch ein Glossar, in dem sowohl Länder als auch Schlagworte wie Genozid und Expansion erläutert werden.

Die zwei anderen Rundgänge mit dem Namen „Bemerkenswerte Dinge“ stellen 14 bzw. 12 ausgewählte Objekte des Museums näher vor. Die hier präsentierten Objekte befinden sich jeweils im Erdgeschoss bzw. Obergeschoss des Museums.

Die App ist übersichtlich gehalten und bietet keinerlei technische Highlights. Weder Video- noch Audioformate sind eingebunden und auch die Möglichkeit, Inhalte auf den Sozialen Kanälen zu teilen, ist nicht gegeben. Die App funktioniert ähnlich wie ein klassischer Audioguide, der den Besucher von Objekt zu Objekt durch die Ausstellung führt. Die App basiert jedoch allein auf Texten. Bereits Sarah Fründt hat sich in ihrem Blogbeitrag gefragt, warum hier überhaupt eine App entwickelt wurde. Diese Frage habe ich mir ebenfalls gestellt, als ich mir die App und die Texte angesehen habe. Inwieweit die App einen tatsächlichen Mehrwert für den Besucher bietet, ist fraglich. Aus der Sicht der Studierenden, die diese App entwickelt haben, war es sicherlich eine wertvolle Erfahrung, ein komplexes Thema auf kurze Texte runterzubrechen und für ein breites Publikum aufzubereiten.

Einen Aspekt finde ich an dieser App jedoch bemerkenswert: wie man im Footerbereich erkennen kann, wurde die App mit Unterstützung des Google Culture Institute erstellt.

Warum mit Google Cultural Institute?

Das Google Cultural Institute stellt Kultureinrichtungen die Technologien zur Verfügung, die es diesen erlauben, ihre Arbeit virtuell und online zu präsentieren. Dazu gehört auch das Google Art Project, in dessen Rahmen Museen virtuelle Rundgänge durch ihre Ausstellungen anbieten oder ihre Sammlungen digitalisieren und online stellen können. Einen virtuellen Rundgang bieten zum Beispiel das Archäologische Museum in Hamburg oder das Naturkundemuseum in Berlin an.

Der Vorteil für Kultureinrichtungen ist die Tatsache, dass Google Cultural Institute die Technologie kostenlos zur Verfügung stellt. Ein Angebot, das aufgrund mangelnder Gelder durchaus reizvoll ist. Statt eine Agentur zu engagieren, die in Abstimmung mit dem Museum ein passendes Angebot konzipiert und entsprechend entlohnt werden möchte, kann hier auf das Know-how von Google zurückgegriffen werden. In meinen Augen hat Google hier ein interessantes Geschäftsmodell geschaffen. Es wurde eine Plattform aufgesetzt, auf der die App – unter Anleitung – selber erstellt werden kann. Es gibt verschiedene Module, aus denen die Museen das für sie passende wählen können. So stehen den Museen zum Beispiel verschiedene App-Designs zur Verfügung. Auch das Museumslogo kann integriert werden, sodass ein Branding der App vorgenommen wird. Audiodateien können ebenso wie die sozialen Netzwerke eingebunden werden. Ebenso sind Führungen in verschiedenen Sprachen möglich. Die oben beschriebene Gestaltung von Bild und Text scheint hingegen unveränderbar zu sein und wird als Standard vorgegeben. Das Vertreiben der fertigen App über den Google Playstore rundet das gesamte Paket ab.

Es bleibt allerdings die Frage, wie man als Kultureinrichtung dazusteht, dass ein Weltkonzern zunehmend auch in Kultur und Bildung investiert.

Die App kann im Google Playstore runtergeladen werden.

Als weiteres Google Projekt, das ebenfalls in der Kultur Anwendung finden könnte, sei hier der Hinweis auf Project Tango gegeben.

Der Deutschlandfunk hat am 13.03.2017 bereits über die Zusammenarbeit von Museen mit dem Google Cultural Institute berichtet.

 

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