Blogparade „#visionengestalten“

Standard

Platform

Die Münchner Agentur Platform, die für den Kulturbereich  Konzepte entwickelt und umsetzt, hat anlässlich ihrer Buchveröffentlichung „Visionen gestalten“ am 8. März zur Blogparade gerufen. Im Rahmen dieser Blogparade sollen Visionen, Wünschen, Ideen für die Zukunft zusammengetragen werden. Wie stelle ich mir also die Museumswelt in den nächsten Jahren vor (Platform gibt hier eine Zeitspanne von 20 Jahren an)?

Für mich sind zwei Aspekte wichtig, bei denen ich mir Veränderungen, teilweise auch drastische Veränderungen, wünsche. Meine beiden Visionen sind daher:

  1. Der viel zitierte Elfenbeinturm verschwindet.
  2. Es gibt eine größere Anzahl an Institutionen, Personen, die den Mut und auch die Lust haben, etwas Neues, „Innovatives“, vielleicht auch Mal etwas Verrücktes zu wagen.

Der Elfenbeinturm wird nicht nur in der Museumslandschaft noch viel zu häufig aufrechterhalten, sondern auch in anderen Kultur- und Bildungseinrichtungen existiert vielerorts eine Vorstellung, die eine hierarchische Ordnung der Gesellschaft vorsieht. Sicherlich haben Experten und ihr spezialisiertes Wissen ihre Berechtigung – sie bringen neue Impulse in Diskussionen und können diese eben durch ihr Wissen leiten. Sobald jedoch der Anspruch entsteht, allwissend zu sein und damit die alleinige Deutungshoheit über Themen und Diskurse beansprucht wird, gerät etwas in Schieflage. Die verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen, unabhängig davon aus welchem Grund eine Unterscheidung gemacht oder vielleicht auch gefühlt wird, sollten miteinander diskutieren. Und dazu gehört, dass alle Seiten dazu bereit sind.

Impulse geben, neue Themen aufnehmen, konstruktive Diskussionen führen – so können die Mauern des Elfenbeinturms eingerissen werden (um es mal dramatisch zu formulieren). Als erste Ansätze einer solchen breit angelegten Diskussionsrunde könnten die Ausstellungen sein, die nicht nur von einem wissenschaftlichen Kurator, sondern auch durch vermeintliche „Laien“ konzipiert wurden. In meinen Augen bieten diese Projekte bereits erste Ansätze, um Auseinandersetzungen auch außerhalb des Elfenbeinturms zu führen. Der Kurator bringt sein Fachwissen ein, erhält durch die Community unter Umständen jedoch neue Perspektiven auf die Ausstellungsobjekten. Die Community setzt sich intensiver mit einem bestimmten Thema auseinander und findet womöglich andere/neue Zugänge zum Museum.

Dies führt mich dann auch schon zu meinem zweiten Punkt: mehr Mut haben. Projekte anzustoßen, Ideen aufzugreifen, die bislang gar nicht oder kaum diskutiert wurden, erfordern Mut. Dies würde ich mir von vielen Museen wünschen. Neue Kooperationen eingehen, Themen behandeln, die auch mal abseits vom Mainstream sind, digitale Projekte anstoßen, die das Museum einer anderen Zielgruppe öffnen. Und dabei sich selber als Institution und die eigene Geschichte kritisch hinterfragen.

Wenn dies öffentlich passiert, schafft man neue Diskussionsräume, die eine Bildungseinrichtung meiner Meinung nach schaffen sollte. Klar, man macht sich damit angreifbar, aber so entstehen auch neue Netzwerke, von denen die Gesellschaft als gesamtes profitiert. Und so können weitere Visionen für die Zukunft entwickelt werden.

Advertisements

6 Gedanken zu “Blogparade „#visionengestalten“

  1. Liebe Indira,
    vielen Dank für deinen Blogbeitrag und die sehr interessanten Antworten auf unsere Fragen. Du hast damit einen ganz neuen – und sehr wichtigen – Input mit ins Spiel gebracht. Vielen Dank dafür!
    Wir, als „Pilotprojekt“, versuchen uns auch stetig daran, mutig zu sein und neue, tolle Projekte anzugreifen und umzusetzen. Dabei ist eine Blogparade allgemein betrachtet nicht das Mutigste, für uns aber ist es aber etwas ganz neues und auch aufregendes!
    Liebe Grüße aus der PLATFORM von der Clara!

    Gefällt mir

    • Liebe Clara, liebes PLATFORM-Team,

      sehr gerne bin ich eurem Aufruf zur Blogparade gefolgt. Es sehr spannendes Thema, zu dem ja bereits einige interessante Aspekte aufgegriffen wurden. Es macht Spaß die Blogparade/ die Artikel zu dieser zu lesen. 🙂
      Eine solche Blogparade kann sicherlich dazu dienen, zum einen Aufmerksam für gewisse Themen zu generieren und zum anderen auch neue Impulse für neue Projekte zu liefern.
      Von daher: ich bin gespannt auf eure neuen (mutigen) Projekte. 😉

      Viele Grüße
      Indira

      Gefällt mir

  2. kultureventbuero

    Liebe Indira,

    auf jeden Fall ist mehr Mut gefragt. Meistens wird ja am Alten festgehalten, weil man Angst hat, sich nicht auszukennen. Seine Deutungshoheit zu verlieren und die Fäden nicht mehr in der Hand zu halten. Aber wenn man sich auf die Perspektive des Zuhörens, des Zulassens einigen kann, dann wird Vieles möglich. Bin gespannt, ob das noch 20 Jahre dauert. Oder schon vorher passiert. Wir bleiben auf jeden Fall dran.

    Herzliche Grüße
    Anke

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s