Social-Media-Aktion #LetsTalkAboutSexes

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Städelmuseum Frankfurt

Im Rahmen einer Social-Media-Aktion zur Ausstellung „Geschlechterkampf“ ruft das Städelmuseum auf, sich mit drei verschiedenen Fragen rund um die Geschlechter zu beschäftigen: Wie prägt der Geschlechterkampf das Privatleben und die Beziehung? Welche Geschlechteridentitäten und –stereotype existieren heute (noch)? Wie sieht der Geschlechterkampf im Berufsleben aus?

Streng genommen haben diese Fragen erstmal nichts mit meinem Blog zu tun und der Idee, hier meine Museumsbesuche zu rezensieren. Da mich aber einige der Fragestellungen seit der Geburt meiner Tochter auch persönlich berühren, möchte ich diese Gedanken und Erfahrungen hier teilen.

Rosa vs. Blau

Während meiner Schwangerschaft haben mein Mann und ich uns bereits fest vorgenommen, keine vermeintlich typische Mädchen- bzw. Jungenkleidung und Spielzeug zu kaufen. Wir dachten hier vor allem an rosa- und pinkfarbene Gegenstände (wahlweise auch mit Glitzer). Wie schwer es jedoch sein sollte, dies durchzuhalten, wurde uns beim ersten Besuch eines Babygeschäfts deutlich: Es gibt in fast allen Geschäften eine klare Trennung des Angebots für Jungen und Mädchen. Auf der einen Seite ist alles blau, mit Autos oder Dinos bedruckt, in den Regalen stehen Bauautos oder Star Wars-Figuren zum Spielen. Auf der anderen Seite ist alles pink oder rosa, mit Blümchen oder kleinen Feen bedruckt, als Spielzeug gibt es Puppen oder alles Mögliche von Frozen (Die Eiskönigin). Etwas Geschlechtsneutrales zu finden, ist hier schon eher schwierig, wenn man den Kleinen nicht nur Beige-Töne anziehen möchte. Auch im Onlinehandel geht es so weiter. Ich habe mich besonders darüber gefreut (bitte hier Ironie mitlesen), als ich in einem Shop erstmal bei der Kategorie zwischen Junge und Mädchen wählen musste.

Um ehrlich zu sein, macht das so keinen Spaß. Durch mein Studium der Ethnologie und verschiedene Seminare zu den Themen Feminismus und Gender Studies bin ich für diese Aspekte sensibilisiert. Daher ist es mir immer wieder unverständlich, warum auch heute noch, kategorisch an zwei Geschlechtern und den diesen beiden zugeordneten Rollen festgehalten wird. Warum muss ein Junge blau tragen? Warum muss ein Mädchen rosa tragen? Wieso müssen Eltern bereits so früh, vermeintliche Geschlechtsunterschiede in der Kleidung bzw. im Spielzeug festlegen? Ich behaupte mal, dass den Kindern zumindest im Säuglingsalter noch egal ist, was sie da tragen. Daher ziehen Eltern diese Klamotten doch vielmehr für sich an, oder? Vielleicht damit die Umwelt direkt erkennt, welches Geschlecht ihr Kind hat? Aber warum ist das wichtig? Ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt, gefragt zu werden, ob mein Kind ein Junge ist. Und dies wird nur vermutet, weil im Kinderwagen ein blaues Tuch liegt oder die Winterjacke rot-blau ist. Anfangs hatte ich noch überlegt, mit Absicht blaue Kleidung zu holen. Aber dann würde ich mich diesem binären Schema genauso unterordnen und dieses Spiel mitspielen. Wir versuchen, Kleidung und Spielzeug zu holen, die bequem und praktisch und das in unserem Augen pädagogisch wertvoll ist.

Und im Beruf?

Doch nicht nur im Konsumbereich möchten wir unserem Kind eine Welt zeigen, die über das Festhalten an zwei Geschlechtern und den vermeintlich typischen Rollenaufgaben hinausgeht. Auch möchten wir zeigen und vorleben, dass sowohl Frau als auch Mann berufstätig sein kann. Die Vereinbarkeit von Kind und Karriere sollte – so dachte ich bis vor einigen Monaten – doch für beide Elternteile möglich sein (ist es vielleicht auch in manchen Berufsbranchen). Aus vielen Gesprächen mit Freunden, die in einer ähnlichen Situation sind, wurde mir allerdings klar, dass die äußeren Rahmenbedingungen leider allzu häufig nicht stimmen: Betreuungsplätze für die Kleinen sind Mangelware oder nicht finanzierbar und auch familienfreundliche Arbeitgeber sind noch keine Selbstverständlichkeit. Daher scheint es kein Wunder zu sein, dass man sich die Frage „Kind oder Karriere?“ stellt. Um ehrlich zu sein, laufen für mich die in letzter Zeit häufig geführten Diskussionen zum Beispiel zur Frauenquote an meiner Realität vorbei. Es sollten erst einmal die Rahmenbedingungen geschaffen werden, dass beide Elternteile Elternzeit nehmen können (ohne Schwierigkeiten im Beruf zu bekommen, hier ein Bericht des Deutschlandfunks), aber auch dass beiden der Wiedereinstieg ermöglicht wird.

Nicht nur der Blick in die oben genannten Babygeschäfte auch aktuelle Diskussionen in der Politik und der Gesellschaft zeigen, dass die Frage nach den Geschlechterrollen, -stereotypen und -identitäten heute (noch) aktuell ist und zuweilen die Gemüter erhitzt. Daher finde ich es spannend, wenn sich ein Museum im Rahmen einer Ausstellung und auch einer Social-Media-Aktion dieser Thematik annimmt. Da lohnt sich ganz sicher eine Fahrt nach Frankfurt. 🙂

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6 Gedanken zu “Social-Media-Aktion #LetsTalkAboutSexes

  1. Grüßt Euch alle. Geboren bin ich 1978, seit 2006 Mama. 2009 kam das zweite Kind. Ich klopfe mir echt auf die Schulter wie und was ich weither in allen Bereichen so geschafft habe und dass mir Vieles Freude bereitet. Ein ständiges Zerrissenseingrundgefühl läuft mit. Also zurück zu Euerm Text: skandinavische Kinderkleiding ist zumindest verspielter, nicht so Mini me, auch gesvhlechtsunspezifischer. Da ist doch interessant dran, dass in diesen Ländern insgesamt auch was anders läuft, was Beruf und Familie angeht. Die Elternschaft wird dort auch bereits von jüngeren Menschen ins Leben integriert. Häufig sind drei Kinder da…aber ich würde niemals sagen:“alles prima!“ . Meine Schwester lebt seit 15 Jahren in Schweden. Cozsinen von mir in Frankreich. Alles Akademikerinnen. Ich sehe so viele Modelle, sehe soviel Pro und Contra. Für mich gesprochen: hex, seit dem Studium bin ich fleißig, mutig, neugierig…mein Mann ist älter als ich. Schon vom Familienstart an war klar, wessen Gehalt die maßgebliche Basis fürs Funktionieren, ja Existieren liefert und dass darauf auch nicht so mal eben verzichtet werden kann. Wie es mit Elternzeit und den daraus folgenden Konsequenzen für die Karriere von Männern aussieht- respektive vor 12 Jahren aussah. ( Emoji). Ich will hier nur sagen: Vieles geht! Ich lebe mit meinem Mann unseren beiden Kindern bestmöglichste vor, wie Engagement, Ökonomie und Partnerschafft so aneinanderrasseln oder harmonieren…Ich denke so was wie Beute 70 % oder so und das so, dass man auch wirklich mitspielen darf und seine Fähigkeiten einsetzen kann, das wäre gut. Dazu optimale Kinderbetreuung bitte und Verständnis dafür, dass Kinder oft krank sind…( wieder Emoji). Ach: Rückblickend fand ich Tagesmutter und KiTa noch einfach. Mit Schuleintritt und dann weiterführender Schule steigern sich die Anforderungen an die Kinder, sprich an die Familie. Wie sind die Scheidungsraten in Schweden, wie in Deutschland, wie woanders. Und die Kinder? Lieben, lieben, lieben. Lachen wir und durchs Leben!! Ich könnte hier noch viel berichten von Hobbies und Geschlechterrollen. Ballett, Turnen, Reiten, Schwimmen, Breakdance, Flöte, Fußball, Gitarre. Welches Hobby hat welche Farbe, na? Und die Männer? Auch rausgeworfen aus dem vielleicht auch Sicherheit gebenden Modell. Mir macht‘ trotzdem Freude und ich mische mit. Wohlan! Ich gehe jetzt Zirkel kaufen. Abends dann nochmal ans eigene Werk. Es geht nicht alles! Es geht alles!

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    • Hallo Karin,

      vielen Dank für deinen Beitrag, in dem du vieles ansprichst, über das ich bereits nachgedacht oder gehört habe. Besonders spannend finde ich die häufig zitierte Familienpolitik in skandinavischen Ländern, die sich so von unserer unterscheidet. Allerdings fehlen mir hier die detaillierten Kenntnisse, um dies fundiert einordnen zu können.

      Richtig, über Hobbys lassen sich neben der Kleidung ebenfalls „typische“ Geschlechterrollen erläutern. Ein weiteres schönes Beispiel – danke!

      Ich wünsche dir und deiner Family alles Gute!

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  2. Hallo Indira,

    ich kann deine Gedanken gut verstehen. Immer wenn ich Geschenke für meine schwangeren oder mittlerweile Eltern-Freunde kaufen gehe, wird mir ganz anders in den Geschäften. Ich habe auch den Eindruck das wird wieder schlimmer. Echt nicht ganz einfach da was vernünftiges zu finden und ich bin damit ja nur bei Geschenken betroffen. Das allerdings auch weil ich überhaupt nicht sehe, dass sich bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie irgendwas tut und ich ehrlich gesagt noch keine Lust habe, mich und meine Karriere einzuschränken und vor allem das Risiko alleine zu tragen. Betrifft ja doch eher uns Frauen.

    Ich kaufe übrigens ganz gerne die Geschenke online mittlerweile (z.B. hier kleineskarussell.de). Finde da bekommt man eine bessere Auswahl als in den Läden in den Innenstädten.

    Liebe Grüße
    Michelle

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    • Hallo Michelle,

      danke für dein Kommentar.
      Schade und sehr traurig, dass sich in beiden Bereichen so wenig tut. Ich frage mich dann immer, warum so viel darüber in Talkshows, in Vorträgen, etc. diskutiert wird, wenn es an der praktischem Umsetzung scheitert. Es diskutieren vermutlich zu häufig andere Leute als die, die es dann schließlich umsetzen und leben sollen.

      Danke für den Einkaustipp. 🙂 Schaue ich mir gleich mal an.

      Viele Grüße
      Indira

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