Das digitale Portal des Deutschen Museums

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Deutsches Museum 

Seit ein paar Tagen ist das digitale Portal des Deutschen Museums online, eine Datenbank mit derzeit rund 40.000 Objekten des Museums. Ich habe das Portal sowohl am PC als auch auf dem Tablet und dem Smartphone getestet. Für mich zeigt sich, dass der erste Schritt ins Digitale zwar gemacht ist, aber noch viel Potenzial ausgeschöpft werden kann.

Das Portal und sein Aufbau 

Das digitale Portal ist klar strukturiert und übersichtlich aufgebaut.

Die Startseite

Auf der Startseite befindet sich auf der linke Seite eine Spalte mit Icons, über die jeweils die Startseite, die Suche und Informationen zum Portal sowie dem Museum aufgerufen werden können. Auf der Startseite werden ein Headerbild, ein Suchschlitz für die Freitextsuche, sodass der Nutzer direkt mit seiner Recherche in der Datenbank starten kann, und in Form von Kacheln die einzelnen Kategorien (wie Astronomie, Kraftmaschinen oder Kameras) dargestellt.

Die Suche

listenansicht

Listenansicht

Nach Eingabe eines Suchbegriffs werden die Ergebnisse in einer Liste angezeigt, die nach Titel sortiert ist. Wer möchte, kann sich die Ergebnisse statt als Liste auch als Kacheln anzeigen lassen. Die Anzahl der Treffer auf einer Seite kann ebenfalls vom Nutzer bestimmt werden. So können 10, 50 oder 100 auf einer Seite abgebildet werden. Die Objekte werden mit zusätzlichen Informationen wie Bild, Bezeichnung, Jahr und Inventarnummer aufgeführt.

Jedes Objekt verfügt über eine Detailseite, auf der die Eigenschaften (Hersteller, Datierung, Material), Quellen, Forschungsdaten, Lizenzhinweise und die Zitierweise gelistet sind. Die Objektbilder können zudem vergrößert werden. Interessant finde ich die Möglichkeit, dass über die Detailseite eine Kontaktmöglichkeit zum Museum gegeben wird, wenn Fragen zu diesem Objekt bestehen bzw. der Nutzer weiterführende Informationen zu diesem hat. Auch die Social Media Kanäle wurden nicht vergessen. Der Nutzer kann das Objekt auf Facebook, Twitter und Google+ teilen. Allerdings fehlt mir noch ein Use-Case, in dem der Nutzer ein Objekt teilen sollte.

Informationen

Auf dieser Seite werden sowohl weitere Projekte des Museums (auffallend viele Digitalisierungsprojekte) als auch weitere Informationen zu der Initiative Deutsches Museum digital aufgeführt. An dieser Stelle wird deutlich, dass das Deutsche Museum eine groß angelegte digitale Strategie geplant hat, deren Ziel die Verfügbarmachung und die Vernetzung der Bestände ist. Neben der Digitalisierung der Bestände stehen auch Open Access, Visualisierungen der Daten, Forschung und Programmierung auf der Agenda. Welche Arbeitsschritte jeweils hinter den einzelnen Begriffen stecken und welche konkreten Projekte damit zusammenhängen, wird hier leider nicht erwähnt. Fast schon revolutionär klingt das Credo des Museums, Digitalisierung als übergeordnete Maßnahme für die Umstrukturierungen bis zum Jubiläumsjahr 2025 zu verstehen. Für die Umsetzung werde zudem von den Museumsbereichen, dem Archiv und der Bibliothek zusammengearbeitet. Ein wichtiger Aspekt, da so gewährleistet wird, dass alle Arbeitsbereiche in die Umstrukturierung eingebunden werden und so an dieser auch mitwirken.

Luft nach oben

Wie oben bereits erwähnt, ist das Portal übersichtlich gestellt, sodass sich der Nutzer sich zügig zurechtfinden kann. Die Seitenstruktur ist so aufgebaut, dass es maximal drei Ebenen (Startseite, Listenansicht der Suche, Detailseite eines gesuchten Objekts) gibt, wodurch gewährleistet wird, dass der Nutzer nicht „verloren“geht. Auch die Informationen zum Portal sind leicht auffindbar – ich finde es furchtbar, wenn man eine halbe Ewigkeit nach den Hintergrundinformationen suchen muss. Und die Icons in der Spalte links sind in meinen Augen gut ausgewählt, da sie für sich sprechen und der Nutzer bereits beim bloßen Betrachten der Icons weiß, was ihn dahinter erwartet.

Nun zu ein paar Punkten, die meiner Meinung nach verbesserungswürdig sind bzw. auch wenn das Portal laut Aussage des Projektleiters noch eine Beta-Version ist, dringend überarbeitet werden sollten.

Grundsätzlich muss der Nutzer, wenn er das Portal aufruft, bereits wissen, wonach er sucht. Auch wenn einzelne Kategorien bereits vorgegeben sind, kann die Datenbank nicht durch einfaches Stöbern erschlossen werden. Obwohl bei einigen Objekten die Hersteller verlinkt sind, sodass alle Objekte des jeweiligen Herstellers angezeigt werden können, fehlt die Vernetzung der Objekte untereinander. Wie eine solche Vernetzung aussehen kann, zeigt das Städelmuseum mit seiner digitalen Sammlung. Hilfreich wären zudem weitere Filter bzw. Suchfelder wie Jahreszahl, Material oder Hersteller. Das Lebendige Museum Online (LeMo) zum Beispiel ermöglicht neben einer Freitextsuche auch die Recherche nach Daten und Objekten anhand von Kategorien wie Epoche, Medien, Personen, Orten und Objektarten.

Des weiteren sind in der Datenbank keine Medien wie Audios oder Videos zu finden, wodurch das Portal schnell eintönig wirkt. 3D Filme der Objekte oder Kuratoren, die Geschichten zu einzelnen Objekten berichten, würden hier gut tun und das Portal lebendig machen.

Leider wurde das Thema Barrierefreiheit nicht beachtet. Es gibt zum Beispiel keine Möglichkeit, die Schriftgröße anzupassen, sich den Text vorlesen zu lassen oder auf einen Text in leichter Sprache zu wechseln.

Die Darstellung des Portals ist sowohl am PC als auch auf dem Tablet gleich. Es gibt hier keine für das Tablet angepasste Variante, die in meinen Augen auch nicht zwingend notwendig ist. Was allerdings dringend angepasst werden sollte, ist die Darstellung auf dem Smartphone, denn hier gibt es einige „grobe Schnitzer“:

  • es gibt einige Darstellungsfehler durch Umbrüche
  • auf den Detailseiten der Objekte werden die Bilder nicht vollständig angezeigt
  • der Text auf den Detailseiten ist mal zentriert, mal linksbündig gesetzt
  • die Icons in der linken Menüleiste sind zum Tippen sehr klein
  • die Beschriftung der Menüleiste ragt über den schwarzen Hintergrund hinaus
  • der Suchschlitz auf der Startseite ist zu klein für den darin angezeigten Text

deutsches-museum-digital-portalAuch wenn das Portal als Beta-Version gelauncht wurde, dürfen diese Fehler nicht passieren. Dies hat nichts mehr mit einer Beta-Version zu tun. Vielmehr muss man sich fragen, ob die Seite auf Smartphones überhaupt getestet wurde. Gerade vor dem Hintergrund, dass der Aufruf von Webseiten überwiegend mit dem Smartphone erfolgt, sollte hier ein besonderes Augenmerk gesetzt werden.

Fazit

Diese Kritikpunkten veranlassen mich zu der Frage: Warum braucht man dieses Portal? Welche Funktion soll es erfüllen? Was ist der Mehrwert dieser Verfügbarmachung von Objekten?

Spannend und vielversprechend ist, dass das Portal als Teil des bereits oben geschilderten digitalen Gesamtkonzepts zu werten ist. Hier wurden bereits die ersten hoffnungsvollen Schritte gemacht und es bleibt daher abzuwarten, inwiefern im weiteren Projektverlauf das Konzept umgesetzt und das Portal ausgebaut wird.

 

Tipp: Das digitale Portal war am Mittwoch auch das Top Thema im kulturimweb-Newsletter.

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6 Gedanken zu “Das digitale Portal des Deutschen Museums

  1. Persönlich bin ich an der Stelle nicht Deiner Meinung. Ich finde das Portal sehr gelungen und auch technisch schön umgesetzt. Bzgl. der Darstellungsprobleme würde der Webdesigner noch interessieren, mit welchem Browser und welcher Version Du das ganze aufgerufen hast. Im neusten Firefox und Chrome war bei mir eigentlich alles korrekt.

    Warum benötigt man dieses Portal?
    Der große Mehrwert besteht doch darin, dass Fotos unter einer freien Lizenz veröffentlicht werden. D.h. ich kann die Bilder auch auf meiem Blog verwenden oder Wikipedia Authoren können hier auch auf einen umfangreichen Fundus zugreifen. Eine Vorlesefunktion macht dann für ein Fotoarchiv natürlich nicht viel Sinn.

    Sicher ist noch Raum nach oben, aber ich hatte schon viel Spaß dabei mich durch die Sammlung zu klicken und ich bin der Meinung, dass Dein Fazit hier ein wenig zu negativ ausgefallen ist.

    Gefällt mir

    • Hallo Andreas,

      danke auch an dich für deine Anmerkungen und Ausführungen.

      Ich habe das Portal in beiden Browsern ebenfalls in der neuesten Version aufgerufen, allerdings mit den beschriebenen Darstellungsfehlern. Zur Verdeutlichung habe ich einen Screenshot in meinen Blogbeitrag eingefügt.

      Die Thematik der lizenzfreien Bilder ist sicherlich positiv. Und gerade vor dem Hintergrund, dass die Datenbank sukzessive erweitert werden soll, wird hier dem Nutzer eine Vielzahl an Daten zur Verfügung gestellt.
      Aber ich sehe allein mit diesem Aspekt nicht den Anspruch des Museums erfüllt, diese Objekte sowohl wissenschaftlichen Nutzergruppen als auch der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wie bereits im Artikel von mir beschrieben, gehe ich davon aus, dass sich die wissenschaftliche Nutzergruppe bzw. Nutzer, die wissen, wonach sie suchen, durch das Portal angesprochen fühlen. Für andere Nutzer stelle ich dies in Frage.

      In Bezug auf die Barrierefreiheit wäre zum Beispiel eine ausführliche Beschreibung der Bildelemente möglich gewesen. Dies wäre in der Tat noch einmal aufwendiger geworden. Aber wie ich finde ein Aspekt, der bei zukünftigen Erweiterungen mitgedacht werden sollte.

      Beste Grüße
      Indira

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    • Hallo Klaus Graf,

      vielen Dank für die Anmerkung, auf die ich gerne reagieren möchte.

      Ich stimme vollkommen zu, dass nie alle Kriterien zur vollsten Zufriedenheit erfüllt werden können. Es wird immer Punkte geben, die verbessert werden können bzw. bei denen es unterschiedliche Meinungen und Herangehensweisen gibt.
      Für mich gibt es allerdings zwei Aspekte, zu mich zu meiner Kritik am digitalen Portal des Deutschen Museums bewogen haben:
      1. Die Art der Darstellung ist in meinen Augen nicht mehr zeitgemäß. Ein digitales Portal aufzusetzen nur um des „digitalen Willens“ ist für mich zu kurz gedacht. Positiv zu erwähnen ist, dass das Museum eine Strategie konzipiert hat, in der das Digitale mitgedacht wird – dies ist in der deutschen Museumslandschaft leider noch nicht üblich. Aber dieser Ansatz alleine reicht nicht aus. Das Museum muss sich fragen lassen, was es mit diesem Portal erreichen möchte. Museumsbesucher/ Kulturinteressierte sind mittlerweile andere Umsetzungen gewöhnt, die anschaulicher Informationen und Daten präsentieren und verarbeiten. Oben habe ich bereits zwei Beispiele genannt.
      2. Technisch wäre zudem etwas anderes möglich gewesen (finanziell kann ich es natürlich nicht beurteilen). Allein die fehlerhafte Darstellung auf dem Smartphone ist für mich ein NoGo. Damit schadet sich das Museum eher.

      Selbstverständlich ist es erfreulich, wenn ein weiteres deutsches Museum den digitalen Weg bestreitet (ich stimme zu, dass viele Internetauftritte deutscher Museum verbesserungswürdig sind bzw. ernsthaft überarbeitet werden sollten), aber dann sollte dieser Weg auch innovativ begangen werden.

      An dieser Stelle würde mich interessieren, aus welchen Gründen das Städel von Ihnen abgewertet wird?

      Viele Grüße

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