Ein Schloss in den Bergen. Das kleine Traumschloss von Ludwig II.

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Schloss Linderhof

Wenn man an König Ludwig II. von Bayern denkt, fallen einem wohl direkt die beiden Schlösser Schloss Neuschwanstein und Schloss Herrenchiemsee ein. Jährlich besuchen allein das Schloss Neuschwanstein knapp 1,3 Mio. Interessierte (Stand 2011). Da fällt das „kleine“ Schloss Linderhof mit 400.000 Besuchern ein wenig hinten ab. Nichtsdestotrotz lohnt sich ein Besuch.

Das Schloss Linderhof liegt im südlichen Bayern und wurde in den Jahren 1868 bis 1886 gebaut bzw. umgebaut. Zunächst ließ Ludwig II. das „Försterhäuschen“ seines Vaters umbauen, das bislang vor allem während der königlichen Jagdaufenthalte genutzt wurde. In den nachfolgenden Jahren wurde dieses Gebäude durch weitere Anbauten und Treppen erweitert. Die Umhüllung mit Stein vervollständigte schließlich das Gebäude, das 1886 durch eine letzte Umbauphase, die die Vergrößerung des Schlafzimmers vorsah, fertiggestellt wurde.

Mitte der 1870er Jahre wurde mit der Anlage der Parkanlagen begonnen: Ein Wasserbecken mit Fontäne, drei Terrassengärten, eine Kaskade mit 30 Marmorstufen, ein Musikpavillon und Läubengänge betten das Schloss in das Bergtal an. Ursprünglich hatte Ludwig II. die Vision, das Schloss Versailles und seine Gartenanlage nachzubauen. Aufgrund der Lage in diesem Bergtal konnte dieses Vorhaben nicht realisiert werden.

Andenken an die französischen Könige

Wie sehr Ludwig II. von den französischen Königen Ludwig XIV. und Ludwig XV. beeinflusst war, sieht man spätestens beim Betreten des Schloss Linderhof: Im Eingangsbereich erinnert ein Reiterstandbild sowie ein Deckengemälde an den französischen Sonnenkönig. Im gesamten Schloss befinden sich zudem Porträts verschiedener Angehöriger des französischen Hofes.

Der Besuch des Schlosses ist ausschließlich im Rahmen einer Führung möglich. Da ich Besichtigungen vorziehe, die ich selbstständig und im eigenen Tempo durchführen kann, bin ich von dieser Praxis nicht überzeugt. Eine Führung durch das Schloss dauert knapp 30 Minuten, was ich als viel zu kurz empfunden habe, um mir die Räume, das Mobiliar und die Einzelheiten im Detail anzusehen. Die Führung vermittelt einen guten Überblick über die Baugeschichte des Schlosses sowie die Nutzung der einzelnen Räume. Leider hat mir diese Führung nicht mehr Wissen vermittelt als der kleine Reiseführer, den man im Museumsshop kaufen kann. Dies ist natürlich der Kürze der Führung geschuldet.

Besonders aufgefallen sind mir die vielen Stellen, an denen das Schloss – die Außenfassade, die Deckengemälde oder einzelne Möbelstücke – restaurationsbedürftig ist. Diesen Zustand hätte ich nicht erwartet, gerade vor dem Hintergrund, dass die Schlösser des sogenannten Märchenkönigs absolute Touristenmagneten sind.

Nach der Führung hat man noch die Möglichkeit, sich die weitläufige Parkanlage des Schlosses anzusehen. Hierzu zählen unter anderem die Grotte, die Ludwig II. für private Theateraufführungen anlegen ließ, der Maurische Kiosk, der Musikpavillon sowie der Venustempel. Etwas abseits gelegen befinden sich noch die Hundinghütte und die Einsiedelei des Gurnemanz – beides Gebäude aus Wagner-Opern, die Ludwig II. nachbauen ließ.

Als ein weiteres Gebäude kann das Königshäuschen besichtigt werden. Hier wird allerdings ein separates Eintrittsgeld verlangt. Im Königshäuschen befindet sich eine Ausstellung zur Bau- und Entstehungsgeschichte des Schlosses und der Parkanlage. Allerdings ist die Bezeichnung „Bau- und Entstehungsgeschichte“ ein wenig irreführend, da neben der Besiedlung des Bergtals und der verschiedenen Bauphasen auch die Königsfamilie (von den Eltern Ludwig II. bis hinzu zu seinen Nachfolgern bis zum Ersten Weltkrieg) sowie das Leben von Ludwig II. thematisiert werden. Den Ausstellungsaufbau habe ich als irreführend empfunden, da keine Chronologie durch die Räume vorgegeben wird. Vielmehr muss der Besucher nach jedem Raum wieder zurück zur Ausstellungstafel im Eingangsbereich, um zu erfahren, in welchen Raum er den Besuch fortsetzen muss. Auch innerhalb der Räume ist keine Abfolge erkennbar: in einem Raum beginnt die Besichtigung auf der linken  Seite, im nächsten Raum beginnt die Tour rechts. Durch dieses fehlende Leitsystem wird in meinen Augen zu viel Aufmerksamkeit vom Besucher gefordert, die eigentlich in die Thematik und in die Exponate investiert werden sollte.

Ich kannte bis zu diesem Besuch nur das Schloss Neuschwanstein und bin absolut begeistert von Schloss Linderhof. Gerade auch weil ich noch in der Nebensaison dort war, konnte ich mir zumindest die Außenanlage in Ruhe ansehen. Ich kann einen Besuch in diesem Schloss empfehlen – auch wenn dieser (und vor allem die Führung) inhaltlich wohl eher dazu dienen wird, sich im Nachgang expliziter nochmal mit Ludwig II. und dem Schloss auseinanderzusetzen.

Als Ergänzung: Für iPhone-Nutzer gibt es auch eine App, die anhand von Interviews, Bildergalerien und Augemented-Reality-Sequenzen das Leben von Ludwig II. nachzeichnet.

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