App „Archäologisches Museum Hamburg“

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Archäologisches Museum Hamburg

Immer mehr Museen sind mittlerweile nicht nur in den sozialen Netzwerken unterwegs und/ oder relaunchen ihre Webseite, sondern bieten ihren Besuchern auch Museumsinhalte über eine App an. Bei einigen Apps frage ich mich allerdings, was genau der Mehrwert dieser Apps sein soll. Eine App zu konzipieren, nur damit man sagen kann, man geht diesen Trend mit, ist in meinen Augen zu kurz gedacht. Trotzdem freue ich mich immer erst einmal, wenn ich von einer neuen Museumsapp erfahre – so wie bei der App des Archäologischen Museums in Hamburg.

Übersichtliche Gestaltung
Die Startseite der App vermittelt dem Nutzer zwei wesentliche Bereiche: Zum einen werden im oberen Bereich wichtige Informationen zum Museum angezeigt, also Öffnungszeiten, Adresse und Links zur Webseite, Facebook und twitter. Unterhalb dieser Informationen, die sich über ein Dropdown-Menü aufklappen lassen, befindet sich der inhaltliche Bereich: Hier werden drei Themenschwerpunkte (Hammaburg und die Anfänge Hamburgs, Hammaburg und Ansgar sowie Die archäologischen Funde) dargestellt. Jeder Schwerpunkt wird durch ein Bild bzw. eine Grafik und einen kurzen Text repräsentiert. Über die Buttons „starten“ und „mehr erfahren“ unterhalb des Textes gelangt der Nutzer auf die Detailseiten des jeweiligen Schwerpunktes.
Die Themenschwerpunkte sind gestalterisch gleich aufgebaut: Im oberen Bereich wird ein Bild (eines Modells oder eines Objekts) angezeigt und darunter folgt in Form eines Textes eine kurze inhaltliche Beschreibung. Zusätzlich erfährt der Nutzer hier noch den Fundort, die Herkunft, den Typ und das Material des Objekts. Durch Wischen nach rechts und links werden weitere Objekte aus dem Themenschwerpunkt angezeigt. Alternativ zur Darstellung mit dem Großbild kann noch eine Listenansicht gewählt werden.

Und nun?
Lobend muss erwähnt werden, dass die App auf der Startseite individuell an das Museum angepasst ist: Das große Bild der Außenansicht des Museums sowie die gelben Grafiken vermitteln einen positiven Eindruck. Auch die Tatsache, dass auf die Webseite und die sozialen Netzwerke verwiesen wird, ist mir direkt positiv aufgefallen. Die einzelnen Detailseiten kann der Nutzer zudem in verschiedenen Netzwerken teilen.
Dabei hat sich mir allerdings leider die Frage gestellt: Warum sollte ich eine Detailseite teilen? Die Detailseiten sind alle wie klassische Ausstellungstexte aufgebaut, mit (für digitale Medien) vergleichsweise viel Text. Interaktive Elemente fehlen hier. Zu welchem Zweck wurde in die App die Funktion des Teilens eingefügt? Warum sollen die Nutzer diese Funktion verwenden? Wie gesagt, es ist klasse, dass in der App an diese Möglichkeit gedacht wurde – immerhin kann dies Aufmerksamkeit in den sozialen Netzwerken generieren. Aber es wirkt, als hätte man hier die Nutzer- bzw. Besucherperspektive aus den Augen verloren: Ich persönlich sehe keinen Grund, aus der App heraus eine Seite zu teilen.
„Und nun?“ ist vielleicht die Frage, die am besten zu meinem Nutzerverhalten für diese App passt: Ich habe mir die App angesehen, habe schnell erkannt, dass die Detailseiten fast alle gleich aufgebaut sind, die App textlastig ist und ich außer der Teilenfunktion nicht mit der App agieren kann.
Mich als Museumsbesucher hat die App damit leider nicht angesprochen. Vielleicht ist es nochmal anders, wenn man die App als Besucher vor Ort im Museum verwendet. Allerdings ist in meinen Augen ein Vorteil einer App, dass ein Museum auch Interessierte, die nicht vor Ort sind, von ihrem Museum begeistern kann.

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2 Gedanken zu “App „Archäologisches Museum Hamburg“

  1. Hallo Frau Kaffer-Schmickler

    Wir freuen uns sehr, dass Sie in ihrem Blog über unser jüngstes Projekt berichten: das Ergebnis unserer Kooperation mit dem Google Cultural Institute.
    Wir verfolgen seit 2009 ein Projekt das sich „Museumswissen on Demand“ nennt, welches zum Ziel hat, museale Inhalte auch digital zur Verfügung zu stellen um damit eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen. Zunächst wurde ein Multimedia Guide für unser Haus entwickelt, der AMH-Guide (iOS: https://itunes.apple.com/de/app/amh-guide-archaologisches/id575103637?mt=8 sowie Android: https://play.google.com/store/apps/details?id=com.alphablind.amhguide). Dieser Guide bietet zum einen eine klassische Objektdatenbank inkl. einer Kartendarstellung des Fundortes. Die Beschreibung der Exponate wird auch als Audiotext angeboten. Der Benutzer kann seine Lieblingsobjekte als Favoriten markieren und sich in Form einer PDF-Datei nach Hause mailen, gewissermaßen als einen personalisierten Katalog. Darüber hinaus wurde für Kinder eigens ein animiertes Hörbuch entwickelt sowie ein kleines Spiel, um das Konzept einer archäologische Ausgrabung zu verdeutlichen.
    Ergänzt wurde der Guide durch die Fundpunkte-App (iOS: https://itunes.apple.com/de/app/fundpunkte/id961086692?mt=8), einem Stadt-Guide, der interessante Orte und Objekte im Hamburger Stadtgebiet ortsbasiert erklärt und illustriert. In einem weiteren Schritt wurde für die drei Häuser der Stiftung Historische Museen Hamburg das Konzept weiterentwickelt, damit 100 bedeutende historische Objekte der Hansestadt in einer einzigen Anwendung präsentiert werden können. Daraus entstand die Idee, eines Museums-Guides, der sowohl in den Museen der Stiftung als auch im Stadtraum genutzt werden kann. An 100 Orten in der Stadt hat der Nutzer die Möglichkeit, durch Exponate der Historischen Museen mehr über Hamburgs Stadtgeschichte zu erfahren (https://itunes.apple.com/de/app/mit-100-sachen-durch-hamburg/id948753898). In den eben genannten Apps geht es uns um zum einen um erlebbare digitale Wissensvermittlung und zum anderen um „digital Storytelling“.

    Unsere Kooperation mit dem Google Cultural Institute und seinem Google Art Project hat einen anderen Ansatz: hier geht es uns um die Nachhaltigkeit von Ausstellungsinhalten. Das Cultural Institute stellt den Museen ein Content Management System (CMS) zur Präsentation von online Ausstellungen zur Verfügung. Wir haben die Plattform des Google Art Projects schon recht früh für die Präsentation unserer Dauerausstellung genutzt. Nun veröffentlichen wir hier die im April erfolgreich abgeschlossene Ausstellung „Mythos Hammaburg“.
    Die Entscheidung, die Ausstellungstexte und –grafiken quasi 1:1 auf der Plattform abzubilden, haben wir übrigens, im Sinne der Nachhaltigkeit ganz bewusst gewählt. Das Feedback, insbesondere der Archäologie- bzw. Mittelalter-Community auf Facebook, bestätigt uns in dieser Entscheidung. Die Möglichkeit, zum Beispiel das hochauflösende Bild eines sogenannten „Ulfberth-Schwertes“ zu teilen, wurde in diesem Zusammenhang mehrfach wahrgenommen und gelobt.
    Ein neues Tool des CMS von Google ist die Bereitstellung der dieser Inhalte auch in einer App. Sie haben völlig recht, hier ist der Mehrwert für den Nutzer begrenzt, für uns als Museum jedoch immens: die für Sonderausstellungen generierten Inhalte leben weiter und wir erreichen zudem eine unglaublich breite Öffentlichkeit. Mit „Museumswissen on Demand“ setzen wir verstärkt auf den digitalen Besucher unseres Hauses und stellen ihm ein breites, zum Teil zweisprachiges Angebot zur Verfügung.
    Sie sehen, hinter unserem Projekt steht viel mehr als nur eine App auf den Markt bringen zu wollen.

    Herzliche Grüße aus Hamburg
    Michael Merkel

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    • Hallo Herr Merkel, 
      vielen Dank für Ihre ausführlichen Erläuterungen.
      Ich verfolge Ihre Tätigkeiten schon seit längerem und finde es klasse, wie aktiv Sie und Ihr Haus in sozialen Netzwerken sind. Um ehrlich zu sein, bin ich beeindruckt, dass Sie bereits seit 2009 ein Projekt betreuen, mit dem Sie museale Inhalte auf dem digitalen Weg an die Öffentlichkeit bringen wollen. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass die Beschäftigung mit Digitalisierung und digitaler Vermittlung über diesen Zeitraum im Kulturbereich nicht selbstverständlich ist. Dafür erstmal ein großes Lob. 🙂
      Auch scheint ein Angebot für verschiedene Zielgruppen vorhanden zu sein – auch wenn ich das Hörbuch für Kinder und die Fundpunkte-App aktuell nicht bewerten kann. Hat ein Besucher, der die App noch nicht kennt, die Möglichkeit über z.B. QR-Codes oder Hinweisschilder auf die App aufmerksam zu werden? Das hätte aus Stadt- und Museumsmarketing-Sicht natürlich auch Charme.
      Die Zusammenarbeit mit dem Google Art Project finde ich interessant und ist – so zeigen die Diskussionen auch nicht ganz umstritten in der Museumslandschaft. Ich denke, dass es sicherlich ein Weg ist, Inhalte digital aufzubereiten. Wie in meinem Artikel bereits erläutert, spricht mich diese Darstellung nicht ausreichend an. Aber aus Ihrem Kommentar ging ebenfalls eindrücklich hervor, dass die Zielgruppe aus dem archäologischen Bereich positiv auf Ihr Projekt reagiert hat.
      Ihre Ausführungen zeigen bereits sehr eindrücklich, wieweit gefächert ein (digitales) Angebot eines Museums sein kann – welche Zielgruppen angesprochen werden sollen, welche Inhalte in welcher Form vermittelt werden. Das sind Überlegungen, die sich permanent verändern und angepasst werden müssen. Für mich wurde während der Recherche zu Ihrer App leider dieses vielfältige Angebot nicht deutlich.

      Ich bin schon gespannt auf Ihre weiteren Projekte. 🙂
      Liebe Grüße
      Indira Kaffer-Schmickler

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