Ein Monster-Besuch im Max Ernst Museum

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Max Ernst Museum Brühl des LVR

Vergangenen Freitag eröffnete das Max Ernst Museum die Sonderausstellung „Miró – Welt der Monster„, die bis zum 28.01.2018 dort zu sehen sein wird. Auf Einladung war ich bei der Eröffnung dabei und werde im folgenden Blogbeitrag vor allem über die App und ob bzw. inwiefern diese die Miró-Ausstellung bereichert schreiben.

„Fortentwicklung zu etwas Neuem“

Die Ausstellung wurde von dem Museumsdirektor und Ausstellungskurator Achim Sommer, Olivier Kaeppelin – Direktor der Fondation Marguerite et Aimé Maeght in Frankreich – und dem Ausstellungskurator und wissenschaftlichen Mitarbeiter des Museums Patrick Blümel eröffnet. Sommer griff in seiner Eröffnungsrede, nachdem er die Bedeutung des Künstlers Mirós für das Max Ernst Museum eingeordnet hatte, die Wichtigkeit der Digitalisierung auf. Das Museum habe sich das Motto von Miró, stets zu einer Fortentwicklung zu etwas Neuem beitragen zu wollen, zu Herzen genommen und habe sich aus diesem Grund dazu entschlossen, die Digitalisierung in Form von einer App einzubinden. Es müsse gelingen, Bildungs- und Vermittlungsarbeit so zugestalten, dass sie den Besuchern Spaß mache. Das Ziel der Ausstellung sei es, eine Zusammenarbeit von Jung und Alt – schmunzelt vom Museumsdirektor durch seine Person und ersteres durch Patrick Blümel repräsentiert – herzustellen, denn beide würden sich in unterschiedlichen Bereichen ergänzen und würden so das Ergebnis bereichern. Sommer betonte dabei auch, dass sich das Museum als Institution nicht vor der Digitalisierung und den damit verbundenen Veränderungen verschließen könne. Die Frage wäre an dieser Stelle viel mehr, inwiefern das Museum diese Veränderungen mitgestalten und für sich und seine Aufgaben verwenden könne. Auch werde die in vielen Diskussionen zu diesem Thema zitierte Aura des Objekts durch die Digitalisierung nicht abgeschafft. Sommer sieht in der Technik vielmehr eine Unterstützung für das reale Objekt.

Okay, ich denke, an dieser Stelle muss man erst einmal innehalten und das Gehörte bzw. Gelesene sacken lassen. Alle Verfechter (inklusive meiner Person), die eine Öffnung der Kulturinstitutionen für diese Aspekte fordern, die Museen auffordern, aktiv den Weg und die Veränderungen mitzugestalten, werden sich mehr solcher Museumsdirektoren/ Entscheider wünschen. In meinen Augen waren die Erläuterungen von Achim Sommer überzeugend und klangen selbstverständlich, dass es mir Freude machte zuzuhören. Auch wenn ein Rest Zweifel blieb, da man im Vorfeld vieles erklären kann, aber es dann schließlich doch auf die konsequente Umsetzung des Gesagten ankommt. Ich war also auf die App gespannt.

Eine App für Katalog und Ausstellung

Der wissenschaftliche Mitarbeiter Patrick Blümel stellte nach den Ausführungen von Sommer die neue App des Museums bzw. einen Teilbereich dieser App vor. In den App-Stores von Google und Apple kann diese App, die in Zusammenarbeit mit dem Cologne Game Lab entstanden ist, heruntergeladen werden und dient sowohl für die Ausstellung als auch für den Katalog. Das Museum bietet im Eingangsbereich auch freies WLAN für den Download an. Supi!

Blümel erläuterte die Besonderheiten für den Katalog: In diesem Katalog befinden sich einige Abbildungen des Künstlers, die mit einem bestimmten Zeichen versehen sind. Diese Abbildungen können mit der App abgescannt werden, sodass auf dem Bildschirm des Smartphones 360-Grad-Plastiken erscheinen. D.h., dass diese Skulpturen Mirós nicht nur von vorne, wie in der Ausstellung überwiegend oder im gedruckten Katalog, betrachtet werden können, sondern eben auch von der Seite, von oben und von hinten.

davEin schöner Effekt, der sich so meine Vermutung allerdings schnell abnutzen wird, da der weitere Nutzen für den Besucher fehlt, wenn er sich die Plastiken einmal rundherum angesehen hat. Allerdings sagte mir eine Museumsmitarbeiterin, wie wichtig es sei, die Werke eben auch von hinten zu sehen und dass dies für Kunsthistoriker noch keine Selbstverständlichkeit sei. An dieser Stelle gebe ich gerne zu, dass mir hier der kunsthistorische Hintergrund fehlt und mir daher vielleicht die Bedeutung der App nicht in einem solchem Maße relevant erscheint wie für Kunsthistoriker mit einem Forschungsinteresse. Positiv erwähnt werden muss die Schnelligkeit, in der die 360-Grad-Abbildungen auf dem Display erscheinen und wie „standsicher“ diese sind, wenn das Smartphone bewegt wird, um den Rundblick zu ermöglichen.

Auch bei der App habe das Museum, so Blümel, das Ziel gehabt, mit der Darstellung eines progressiven Künstlers selbst auch  progress zu sein. Wie ich finde, ein toller Ansatz!

Nach dieser App-Vorstellung stellte der französische Kooperationspartner Kaeppelin die Bedeutung Mirós und seiner Werke, auch für die heutige Gesellschaft, heraus. Anschließend wurde ein Gang durch die Ausstellung in Anwesenheit der Podiumsteilnehmer ermöglicht.

Mit der App auf Schatzsuche

Die Ausstellung ist in verschiedene Bereiche untergliedert, die jeweils durch einen kurzen Wandtext eingeleitet werden. So gibt es beispielsweise Abschnitte zu den Themen „Miró & der Surrealismus“, „Kunst als Widerstand“ und „Der spanische Bürgerkrieg“. Passend zu den Werken des Künstlers wurden mit den Farben rot, gelb und blau Highlights in der Ausstellungs gesetzt.

Ein Blick in die Ausstellung

Das Museum möchte neben der Erweiterung des Ausstellungskatalogs mit der App dem Besucher ermöglichen, den Schaffensprozess des Künstlers eigenständig nachzuempfinden. Um dies zu erreichen, soll der Museumsbesucher mit der App verschiedene Gegenstände, die sich als QR-Codes „getarnt“ auf den Wänden befinden, einsammeln. Diese Codes seien absichtlich niedrig angebracht, damit vor allem die jüngeren Besucher hier animiert werden, die App zu nutzen. Aber auch als Erwachsener muss man sich nicht unnötig tief bücken. 🙂 Nachdem man einen Gegenstand abgescannt hat, erscheint dieser auf dem Smartphone-Display. Ebenso wird ein kurzer Infotext zum jeweiligen Gegenstand angezeigt. Diese Texte erläutern jeweils, aus welchen Gründen Miro genauso diese Gegenstände für seine Werke verwendet hat, welche Bedeutung sie jeweils für ihn hatten und was er damit an Botschaften an den Betrachter transportieren wollte. Auch werden dabei Zitate von Miró aufgeführt. Wenn der Besucher schließlich alle zehn Gegenstände eingesammelt hat, kann er aus diesen sich sein eigenes Monster zusammensetzen. Dazu scannt man erneut einen QR-Code ab und schon erscheint das Monster. Nun kann der Besucher nach eigenem Belieben die verschiedenen Bestandteile des Monsters, also die gefundenen Gegenstände, farbig einfärben und wenn er möchte, fotografieren und über verschiedene Social Media-Kanäle teilen.

Dieser Teil der App hat mich absolut überzeugt. Sie erfüllt in meinen Augen den Anspruch der Ausstellungsmacher, den Schaffensprozess von Miró nachempfinden zu können. Auch wenn vornehmlich eine jüngere Zielgruppe mit dieser Appnutzung angesprochen werden soll, hat die App auch für mich einen klaren Mehrwert: Ich erhalte Informationen zu ausgewählten Objekten und erfahre, aus welchen Gründen Miró diese verwendet hat. Dieses Hintergrundwissen hatte ich bei meinem ersten Rundgang durch die Ausstellung (ohne App) nicht. Ich habe daher mit der App die Kunstwerke nochmal mit anderen Augen wahrgenommen und habe tatsächlich angefangen, mich mit dem Entstehungsprozess der Werke im Detail zu beschäftigen und es hat mich neugierig auf mehr von Miró gemacht. Das bedeutet aber auch, dass ich mir ohne die Informationen in der App die Ausstellung kaum hätte erschließen können.

Mein Rundgand durch die Miró-Ausstellung und die gleichzeitige Nutzung der App hat für mich wieder klar gemacht, dass eine Ausstellungskonzeption mit der Einbindung digitaler Aspekte positive Effekte in der Vermittlungs- und Bildungsarbeit haben kann. Wichtig dabei ist, dass das Digitale als Unterstützung konzipiert ist und einen tatsächlichen Mehrwert für den Besucher bietet.

Und dass auch spielerische Elemente, die Spaß machen, einen positiven Effekt auf die Wissenvermittlungs haben, kann ich hier bestätigen. Mit der App auf Schatzsuche nach  den Gegenständen gehen und sich anschließend diese im Kunstwerk im Detail betrachten zu können, hat mir andere Möglichkeiten geboten, mich mit dem Künstler auseinanderzusetzen.

Hier noch ein kleines Teaser-Video des Museums zur Ausstellung.

 

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Ein Gang durch die Festung Ehrenbreitstein

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Festung Ehrenbreitstein

Die Festung Ehrenbreitstein in Koblenz gehört zur Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, deren Direktionen die Erforschung, Sicherung, Sammlung und Vermittlung des Kulturellen Erbes des Landes als zentrale Aufgabe definiert haben. Nicht nur die Festungsanlage mit ihrer Geschichte, sondern auch das Landesmuseum Koblenz kann auf Ehrenbreitstein besichtigt werden.

Moderner Webauftritt, aber noch nicht einheitlich

Wie bei jedem Museumsbesuch informiere ich mich vorab über die jeweilige Einrichtung und ihre Geschichte im Internet. Hier möchte ich positiv hervorheben, dass die Seite der Festung Ehrenbreitstein (aber auch die des Landesmuseums Koblenz, des Schloss Stolzenfels, der Burg Pfalzgrafenstein, der Burg Sooeneck und des Schloss Bürresheim) zum einen modern gestaltet, aber auch für mobile Endgeräte optimiert sind. Auf der Seite der Festung findet man die „klassischen“ Informationen wie Öffnungszeiten, Preise sowie Publikationen und Literatur. Es stehen aber auch Flyer wie der Veranstaltungskalender zum Download zur Verfügung. Die Webseite ist klar in die Bereiche Info, Erleben, Events und Ausstellungen strukturiert, sodass man sich gut zurecht finden kann. Auch der Hinweis auf die Social Media-Kanäle fehlt nicht: In der Desktop-Variante läuft ein kleines Facebook-Icon am rechten Bildrand mit. Auffällig ist jedoch, dass am Ende jeder Seite neben einem kleinen Facebook-Icon auch noch auf einen Twitter-Kanal verwiesen wird – dieser aber nicht über die Leiste am rechten Rand beworben wird. Ansonsten halte ich die Seite für gelungen. Leider noch immer keine Selbstverständlichkeit im Kulturbereich, aber an dieser Stelle wurden die Hausaufgaben gemacht.

Scrennshot_Website

Allerdings muss ich auch erwähnen, dass der Webauftritt der Generaldirektion noch überarbeitungswürdig ist – zumal die verschiedenen Internetseiten der Einrichtungen damit nicht im einheitlichen Design gehalten werden. Schade.

Screenshot_Website Generaldirektion

 

Die Stationen der Festungsgeschichte

Bei dem Besuch der Festung Ehrenbreitstein lag mein Fokus auf der Festungsgeschichte. Ich habe mir zwar auch das Haus der Fotografie und die Ausstellung „Cowboy&Indianer“ angesehen, aber dies soll hier nicht thematisiert werden.

Es gibt auf der gesamten Anlage zwölf Stationen der Festungsgeschichte, die mit Hilfe eines Übersichtsplans angesteuert werden können. Die erste Station – untergliedert in vier Abschnitte – führt die Besucher anhand einer kleinen Ausstellung in die Geschichte ein: Beginnend mit der Jungsteinzeit, über die Römerzeit und das Mittelalter bis hin zum 18. und 19. Jahrhundert zeigen einzelnen Objekte die Bau- und Besiedlungsgeschichte von Ehrenbreitstein. Besonders interessant sind hierbei die Modelle, die die Baugeschichte zu verschiedenen Zeiten exemplarisch visualisieren. In den folgenden drei Abschnitten wird die Festungsgeschichte ab dem 17. Jahrhundert beleuchtet. Alle Abschnitte sind mit schwarzen Sockelvitrinen, die mit Einzelobjekten und einem kurzen Text ausgestattet sind, einheitlich, aber auch wenig spektakulär gestaltet. Größere Texttafeln in der Mitte der Räume führen allgemein in die jeweilige Thematik ein. Durch die Ausstellung von nachgebildeten Soldatenstuben und Uniformen, bei denen ein 360°-Grad-Blick möglich ist, wird versucht, die Festungsgeschichte lebendig wirken zu lassen. Diese lebendige Gestaltung findet sich auch immer wieder beim Gang über die Festung, so zum Beispiel bei der Station 11. Dort wird auf Knopfdruck ein Audio abgespielt, auf dem neben inhaltlichen Informationen auch die typischen Geräusche von explodierenden Minen und das Schürfen von Schaufeln zu hören ist.

An dieser Stelle auch der Hinweis auf die Erlebnisführungen, die auf der Festung angeboten werden. 

Auf der Festung

Auf der Festung

Kleinere Ausstellungsräume wie die Stationen sechs und zehn ermöglichen einen Blick in die Werkstatt eines Büchsenmachers und eine Wachstube. Dadurch bleibt das Festungsleben der damaligen Soldaten nicht bloß eine abstrakte Vorstellung, sondern der Besucher kann sich direkt ein Bild davon machen, wie es vermutlich zum jeweiligen Zeitpunkt ausgesehen hat. Insbesondere die Gefängniszellen (Station zwei) dürften aufgrund ihrer Enge einen gewissen Eindruck hinterlassen.

Apropros Eindruck: Als kritisch habe ich das Mahnmal für die toten Soldaten des Ersten und Zweiten Weltkriegs empfunden. Auf einer Erinnerungstafel, die von der Bundeswehr 1972 gestiftet wurde, ist zu lesen, dass in den „beiden grossen Kriege[n] […] Soldaten ihr Leben für Deutschland gaben. Ihr Opfer, ihre Tapferkeit und ihr Leiden sollen unvergessen bleiben.[…]“. Selbstverständlich steht auf einer Festung das Militärische im Vordergrund der Betrachtung und Darstellung, aber insbesonderes an dieser Tafel ist mir aufgefallen, wie unkritisch mit bestimmten Aspekten der Geschichte der Festung von Ausstellungsseite umgegangen wird. So würde ich mir an der oben genannten Erinnerungstafel  eine zusätzliche historische Einordnung wünschen, die beispielsweise Erinnerungspolitik im Wandel der Zeit erörtert.

Im Großen und Ganzen lohnt sich ein Besuch der Festung Ehrenbreitstein. Man sollte genug Zeit mitbringen, um allein die Festungsanlage in Ruhe besichten zu können (für die Ausstellungen im Landesmuseum lohnen sich weitere Besuche). Anhand der Stationen und dem Übersichtsplan ist eine Orientierung sowohl geographisch als auch thematisch möglich. Bei meinem Besuch wirkte vieles noch in der Umgestaltung, insbesondere die Anlagen um die Festung herum. Ein späterer Besuch wird also sicherlich wieder Neues bringen. 🙂

MAI-Tagung in Bonn

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Neben der Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes (Zusammenfassung von Markus Speidel hier) lockt auch jährlich die MAI-Tagung zahlreiche Museumsmitarbeiter und -interessierte. Auf der MAI-Tagung steht die Nutzung digitaler Medien und neuer Technologien für den Kulturbereich im Zentrum der Vorträge und Diskussionen (mehr dazu hier). Die Tagung wird vom LVR veranstaltet und fand dieses Jahr in Bonn, im Museum König, statt. Ziel dieses Artikels soll es nicht sein, jeden einzelnen Vortrag wiederzugeben – die Vorträge werden hier online gestellt – sondern mir geht es darum, einige Aspekte besonders hervorzuheben und zu betonen.

Digitale Strategie = Neuland?

Am ersten Tagungstag ging es vor allem um die Entwicklung von Strategien für das Online-Marketing. Das Deutsche Historische Museum Berlin sowie das Neanderthal Museum in Mettmann stellten anhand ihrer Erfahrungen verschiedene Aspekte im Umgang mit Whatsapp vor. Michèle Lichte betonte die Möglichkeiten von Instagram für Kultureinrichtungen und nannte einige Best Practices. Alle drei Vorträge verdeutlichten, wie wichtig es für Museen ist, sich mit „neuen“ digitalen Entwicklungen – sowohl den verschiedenen Techniken als auch den Netzwerken und Plattformen – auseinanderzusetzen. Denn über diese Netzwerke können Museen ihre (neuen) Zielgruppen erreichen, ansprechen und mit ihnen kommunizieren. Während der sich an die Vorträge anschließende Diskussion wurde schnell klar, dass es für Kultureinrichtungen nicht darum gehen kann, alle Plattformen zu bedienen, sondern vielmehr muss (und nicht nur „sollte“) eine Strategie entwickelt werden, in der u.a. festgelegt wird, welche Zielgruppe über welche Plattform angesprochen werden soll. Häufig ist in solchen Diskussionen die Aussage zu hören, dass man ja bereits eine Facebook-Seite betreibe und geschlussfolgert wird, dass man damit digital unterwegs sei. Hier liegen meiner Ansicht nach zwei Missverständnisse vor:

  1. Wenn gefordert wird, dass sich Museen dem Digitalen öffnen, ist damit keineswegs gemeint, dass jedes Museum eine Facebook-Seite bespielen muss. Vielmehr geht es darum, dass jedes Haus für sich individuell eine digitale Strategie erarbeiten muss und die eigenen Ziele, Wünsche, Möglichkeiten dabei absteckt. Auf Grundlage einer solchen Strategie können schließlich Seiten in den sozialen Netzwerken erfolgreich gemanagt werden. Und dann wird sich schnell herausstellen, dass das Betreiben einer professionellen Social Media-Seite viel Arbeit bedeutet (und nicht mal eben so nebenbei gemacht werden kann – wie leider häufig noch gedacht).
  2. Eine Facebook-Seite (natürlich auch andere Profile in den sozialen Medien) läuft nicht von alleine. Hier müssen Ressourcen investiert werden. Auch kann nicht erwartet werden, dass man über Nacht tausende Follower erhält. Auch an dieser Stelle ist eine Strategie Voraussetzung. In einer Strategie sollten zum Beispiel auch klare Ziele festgelegt werden, die kurz- und langfristig mit dem Betreiben von Social Media-Seiten erreicht werden sollen.

Bei einigen weiteren Vorträgen auf der Tagung entstand bei mir der Eindruck, dass sich die Kultureinrichtungen noch „austoben“: Es werden verschiedenen Plattformen und Techniken ausprobiert ohne konkrete Ziele im Vorfeld entwickelt zu haben, eben ohne eine Strategie. So wirkt das Handeln dieser Einrichtungen schnell zusammenhangslos. Denn gerade die einheitliche Präsenz vor den Besuchern in den Bereichen Webseite, Social Media, Vor-Ort- Informationen schafft einen Wiedererkennungswert, der Aufmerksamkeit bedeutet und Interessierte bindet. Das Frankfurter Städel (E-Learning, Angebote für Menschen mit Demenz) und das Kölnische Stadtmuseum (#depotdienstag, histobar) zum Beispiel zeigen, dass es in der heutigen Arbeit für Museen nicht mehr nur allein darum geht, (gut besuchte) Ausstellungen zu schaffen. Sondern es geht darum, in Kontakt und in den Austausch mit Interessierten zu treten und ein Netzwerk zu bauen. Diesen gesellschaftlichen Aspekt sehe ich als DIE Aufgabe für Museen. Bei der Umsetzung dieser Aufgabe kommt es auf die Verknüpfung von analogen und digitaler Welt an.

Diese Forderung ist nun keine neue, doch leider wurde mir auch auf der diesjährigen MAI-Tagung klar, dass es – bis auf einige wenige Ausnahmen – keine Kultureinrichtungen gibt, die eine digitale Strategie hat und vor allem auch lebt! Die Trägheit und Langsamkeit in dieser Entwicklung löst bei mir regelmäßig Kopf schütteln und Unverständnis aus.

An dieser Stelle ein kleiner Lesehinweis auf den Hashtag #digsmus.

Umso mehr freute ich mich dann zu hören, dass Virtual Reality als „neue“ Technik den Weg ins Museum findet.

Virtual Reality als Besuchermagnet

Im Rahmen dieses Schwerpunktthemas stellten u.a. das Max Ernst Museum in Brühl und das Senckenberg Naturkundemuseum in Frankfurt ihre Erfahrungen mit dem Einsatz von VR vor. Im Naturkundemuseum kam die Technik gleich mehrfach zum Einsatz (mehr in dem Vortrag hier), indem Dinosaurier und ihre Lebenswelten animiert und für den Besucher damit erlebbar gemacht wurden. In meinen Augen eine absolut grandiose Möglichkeit, Wissen informativ, anschaulich, aber auch mit Spaß zu vermitteln. Ich denke, auf diese Weise können nicht nur Dinosaurier-Interessierte, sondern auch Technikaffine begeistert werden. Und hier wird keineswegs zugunsten von Effekthascherei auf wissenschaftliches Wissen verzichtet – das Wissen wird stattdessen auf eine andere Weise aufbereitet und dargestellt.

Warum gibt es also so wenig Ausstellungen mit der VR-Technik? Natürlich, das liebe Geld. Da ist mein Lieblingsargument wieder! Es stimmt, diese Technik ist nicht günstig. Allein für die Hardware muss bereits einiges investiert werden. Die meisten Kultureinrichtungen haben nicht das nötige Kleingeld, um dies zu stemmen. Häufig fehlt schon das Geld, um eine Person für den Social Media-Bereich einzustellen. Das Argument des fehlenden Budgets ist unschlagbar, aber was bedeutet dies dann konkret? Potenzielle Besucher kommen nicht mehr ins Museum, Großkonzerne übernehmen Bildungs- und Forschungsaufgaben und Museen haben damit keinerlei gesellschaftliche Funktion mehr. Das kann und darf nicht sein.

Ich habe es in der Tat etwas drastisch und überspitzt formuliert, aber der Thron, auf dem sich viele Museen noch sehen, wackelt bereits. Es liegt daher auch bei den Museen und Kultureinrichtungen sich alternative Finanzierungsmöglichkeiten oder -wege zu erschließen. Dies bedeutet aber auch, sich öffnen, offen sein für Neues und Input von Außen einholen.

Und natürlich gibt es bereits einige Häuser, die sich auf den Weg gemacht haben, aber es sind immer noch zu wenig. Und allein, dass bestimmte Diskussionen rund im die Digitalisierung noch geführt werden, zeigt, dass die Museumswelt noch viel zu tun hat!

Als kleiner Hörtipp: Ein paar Interviews mit Referenten, geführt vom Team von museumsfernsehen.

App „Koloniale Hintergründe“

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Museum für Völkerkunde in Hamburg

Das Völkerkundemuseum Hamburg hat in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Jürgen Zimmerer, Leiter der Forschungsstelle „Hamburgs (post-)koloniales Erbe“, das Projekt „Kolonialismus und Museum“ ins Leben gerufen. In drei Seminaren haben sich Studierende intensiver mit den kolonialhistorischen Hintergründen des Museums beschäftigt und dabei diese App entwickelt. weiterlesen

Blogparade „#visionengestalten“

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Platform

Die Münchner Agentur Platform, die für den Kulturbereich  Konzepte entwickelt und umsetzt, hat anlässlich ihrer Buchveröffentlichung „Visionen gestalten“ am 8. März zur Blogparade gerufen. Im Rahmen dieser Blogparade sollen Visionen, Wünschen, Ideen für die Zukunft zusammengetragen werden. Wie stelle ich mir also die Museumswelt in den nächsten Jahren vor (Platform gibt hier eine Zeitspanne von 20 Jahren an)? weiterlesen

Social-Media-Aktion #LetsTalkAboutSexes

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Städelmuseum Frankfurt

Im Rahmen einer Social-Media-Aktion zur Ausstellung „Geschlechterkampf“ ruft das Städelmuseum auf, sich mit drei verschiedenen Fragen rund um die Geschlechter zu beschäftigen: Wie prägt der Geschlechterkampf das Privatleben und die Beziehung? Welche Geschlechteridentitäten und –stereotype existieren heute (noch)? Wie sieht der Geschlechterkampf im Berufsleben aus?

Streng genommen haben diese Fragen erstmal nichts mit meinem Blog zu tun und der Idee, hier meine Museumsbesuche zu rezensieren. Da mich aber einige der Fragestellungen seit der Geburt meiner Tochter auch persönlich berühren, möchte ich diese Gedanken und Erfahrungen hier teilen. weiterlesen

Das digitale Portal des Deutschen Museums

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Deutsches Museum 

Seit ein paar Tagen ist das digitale Portal des Deutschen Museums online, eine Datenbank mit derzeit rund 40.000 Objekten des Museums. Ich habe das Portal sowohl am PC als auch auf dem Tablet und dem Smartphone getestet. Für mich zeigt sich, dass der erste Schritt ins Digitale zwar gemacht ist, aber noch viel Potenzial ausgeschöpft werden kann. weiterlesen