Wechselausstellung „Geliebt. Gebraucht. Gehasst. Die Deutschen und ihre Autos“ im Haus der Geschichte in Bonn

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Haus der Geschichte in Bonn

Vom 10.03.2017 bis 21.01.2018 ist im Haus der Geschichte in Bonn die Ausstellung „Geliebt. Gebraucht. Gehasst. Die Deutschen und ihre Autos“ zu sehen. Neben der Präsentation von ausgewählten Fahrzeugen wie dem Opel Manta aus dem Film „Manta, Manta“ sowie Plakaten und Fotos, welche die Faszination des Autos deutlich machen, soll auch eine App den Besuchern einen spielerischen Zugang zu dem Ausstellungsthema ermöglichen.

Einstimmung in der Waschstraße

Der Eingang in diese Wechselausstellung ist definitiv nicht zu übersehen, denn er führt direkt in eine Waschstraße mit laufenden Reinigungsbürsten. Ein sehr gelungenes Highlight zur Einstimmung in die Thematik. Über drei Knöpfe am Eingang der Anlage kann der Besucher verschiedene Bilderserien zu den Ausstellungsthemen „Geliebt“, „Gehasst“ bzw. „Gebraucht“ auswählen und sich in der Waschanlage betrachten. Nach dem Verlassen des Eingangsbereichs folgt der Raum, in dem das Thema „Autoland“ ausgestellt ist. Hier finden sich sowohl Dokumente, Fotos und Plakate zum Mythos „deutsches Auto/ deutsche Wertarbeit“ als auch zum Volkswagen bzw. Käfer als deutsche nationale Nachkriegsikone. Über eine interaktive Deutschlandkarte in der Mitte des Raumes lassen sich kurze Animationsfilme zu den Themen Auto & Gesellschaft, Auto & Verkehr, Auto & Umwelt sowie Auto & Wirtschaft anwählen.

Im nächsten Ausstellungsraum geht es um Macht, die hier exemplarisch an den Dienstwagen deutscher Politiker aufgezeigt wird. So kann der Besucher sich über kleine hochklappbare Türchen über die Sicherheitsvorkehrungen vom Dienstwagen Gerhard Schröders informieren und erfährt zudem, welche Beflaggung bei welchem Politiker gewählt wird.

Das Thema Freiheit wird im darauffolgenden Raum anhand von verschiedenen Beispielen aufgegriffen: Neben der Bedeutung des Autos als Fluchtmöglichkeit aus der DDR werden auch Urlaubsreisen und das Camping thematisiert. Grundsätzlich zieht sich der Vergleich von West- und Ostdeutschland durch die gesamte Ausstellung. Aber natürlich darf auch der klassische VW-Bulli als „Hippie-Fahrzeug“ und die Debatten rund um Frauen am Steuer nicht fehlen.

Rennsportfreunde kommen im weiteren Verlauf der Ausstellung auf ihre Kosten, da nun Geschwindigkeit und Tempo anhand von Motorsportrennen, aber auch in Form von PC- und Konsolenspielen, erläutert werden.

Der bereits eingangs erwähnte Opel Manta kann im nächsten Raum in voller Größe bewundert werden. Hier werden verschiedene Aspekte unter dem Thema Image zusammengefasst: Dekoartikel wie der Wackedackel, Aufkleber, Wunschkennzeichen und verschiedene Felgen zeigen, inwiefern das Auto als Statussymbol zu sehen ist.

Im Imagelabor, das zeigt, dass das Auto als Gesamtkunstwerk betrachtet wird, sind der Riech-, Tast- und Hörsinn des Besuchers gefragt, da hier verschiedene Automarken errochen, verschiedene Schaltsysteme erfühlt und unterschiedliche Motorengeräusche erraten werden können.

Im letzten Raum wird ein Blick in die Zukunft geworfen, indem Aspekte wie Künstliche Intelligenz und die Vernetzung von Autos mit anderen elektronischen Geräten, autonomes Fahren und alternative Antriebsmöglichkeiten präsentiert werden.

Der Blick durch die Fensterscheibe

Die erwähnten Riech-, Fühl- und Hörstationen sind eine Abwechslung zum Lesen und Betrachten der Ausstellungstexte und -objekte. Ähnlich pfiffig, wie ich finde, sind manche Vitrinengestaltungen: Einige Ausstellungstücke liegen in Vitrinen, deren Scheiben wie Heckscheiben gestaltet sind. Damit wird auch im Gestalterischen dem Ausstellungsthema Rechnung getragen. Durch verschiedene kleinere spielerische Elemente wird der Besucher während der gesamten Ausstellung animiert, sich mit verschiedenen Fragestellungen auseinanderzusetzen. So wird beispielsweise an einem Display nach der Einschätzung gefragt, welche Automarke von welchem gesellschaftlichen Milieu gefahren wird. Per Drag  & Drop können die Automarken jeweils zugeordnet werden.

Trotzdem bin ich der Meinung, dass die Ausstellungsmacher ihrem selbst formulierten Anspruch nicht hundertprozentig gerecht werden. Auf der Webseite heißt es:

„Die Ausstellung im Haus der Geschichte macht mit ausgewählten Fahrzeugen, Medien, Plakaten, Fotos und Dokumenten die Faszination des Autos deutlich. Sie zeigt die soziale und kulturelle Bedeutung des Autos in Deutschland vor dem Hintergrund wirtschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen.“

Anhand von zwei Beispielen hatte ich persönlich erwartet, dass die soziale und kulturelle Bedeutung des Autos in Verbindung mit wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen aufgegriffen wird: dem Abgas-Skandal und dem Phänomen der SUVs in Städten. Der Abgas-Skandal ist ein aktuelles Thema, dessen Bewertung aufgrund des noch laufenden Prozesses noch aussteht, aber in der Ausstellung findet sich bloß ein kleines Objektschildchen dazu, was in meinen Augen einfach zu wenig ist – zumal dieses auch noch nicht nur aufgrund der Größe sondern auch seines Platzes schnell übersehen werden kann. Hier hätte man mehr daraus machen können bzw. müssen.

Ebenfalls mit einem kleinen Hinweisschild wird das Phänomen der SUVs abgehandelt. In den letzten Jahren nimmt die Zahl dieser Autos vor allem in den Städten zu und die Frage nach der Umweltverträglichkeit und des Nutzens dieser Wagen im Stadtverkehr sollte offensiver diskutiert werden. Eine Chance, die die Ausstellung, insbesondere vor ihrem eigenen Anspruch hier gehabt hätte.

Die App zur Ausstellung: „Bitte wenden Sie“

Der Grund für meinen Ausstellungsbesuch war ganz klar die App. Die Thematik an sich hätte mich, um ehrlich zu sein, nicht in das Museum gelockt. Umso gespannter war ich auf die digitale Begleitung durch die Ausstellung.

Die App wird bereits am Eingang zur Ausstellung mit einem Aufsteller beworben. Über freies WLAN (super!) kann die App durch Abscannen eines QR-Codes heruntergeladen werden. Allerdings hat dieser QR-Codes bei mir nicht funktioniert (nicht super!), sodass ich die Downloadadresse per Hand eingegeben musste. Durch die kurze URL (hdg.de/auto-app) war dies allerdings schnell machbar.

Die App ist so gestaltet, dass dem Besucher in jedem Ausstellungsraum eine kleine Aufgabe gestellt wird. Über ein Ortungssystem erkennt die App, in welchem Raum sich gerade das Smartphone befindet und schickt via Bluetooth die entsprechende Aufgabe. So müssen zum Beispiel die in der App angezeigten Objektbilder in der Ausstellung gefunden und abgescannt werden. Anschließend erhält der Nutzer einen kurzen Infotext über dieses Objekt. Die so eingesammelten Objekte werden im Spielverlauf gespeichert und dienen neben zusätzlich beantworteten Fragen dazu, den Auto-Typ des Nutzers (Auto-Liebhaber, Auto-Nutzer oder Auto-Hasser) zu bestimmen. Neben dieser spielerischen Begleitung durch die Ausstellung sind auch ein Auto-Memory sowie zahlreiche Ausstellungsobjekte samt Infotexten in der App integriert. Damit ist die App nicht nur vor Ort in der Ausstellung nutzbar. Informationen zur Ausstellung und zum Haus der Geschichte lassen sich ebenfalls finden.

Der General-Anzeiger Bonn hat ebenfalls über die App berichtet

Um es kurz und schmerzlos zu sagen: Die App ist bei mir durchgefallen! Und zwar aus einem Grund: sie funktioniert nicht einwandfrei. Und um es vorweg zusagen: Mein Smartphone erfüllt die im Google Playstore genannten Systemvoraussetzungen.

Im ersten Ausstellungsraum hat die App wunderbar funktioniert und ich war positiv überrascht, wie schnell die App erkannt hat, dass ich den Raum betreten habe. Ich konnte mühelos die ersten Aufgaben absolvieren. Doch dann kamen die Schwierigkeiten: Schon im nächsten Raum wurde mir keine Aufgabe mehr gestellt und auch im darauffolgenden Raum nicht. Da ich nun mal die App ausprobieren wollte, habe ich diese also neugestartet und habe die Ausstellung nochmal von vorne begonnen. Dies musste ich leider noch zwei weitere Male machen, da ich nun auch im ersten Raum keine Aufgabe mehr gestellt bekam. Beim vierten Anlauf lief die App immerhin bis zum Raum „Freiheit“, also dem vierten Raum, problemlos. So konnte ich einen ersten Eindruck von den Spielen und der Gestaltung der App gewinnen. Doch leider funktionierte anschließend die App wieder nicht.

Ich bezweifel, dass ein Nutzer überhaupt mehrere Male wieder von vorne anfängt, aber selbst wenn – das darf nicht passieren. Die App muss einwandfrei und direkt funktionieren ohne dass ein Neustart nötig ist. So macht auch eine noch so schön gestaltete App keinen Spaß und keinen Sinn. Es ist lobenswert, dass die App nach Eigenaussage intern durch eigenes Personal programmiert wurde, aber so kann ich die App nicht weiterempfehlen.

Bei den wenigen Aufgaben, die ich absolvieren konnte, ist mir allerdings eines positiv aufgefallen: Wenn man die abgebildeten Dokumente oder Fotos suchen und abscannen muss, findet eine Auseinandersetzung mit der Ausstellung statt, die es womöglich ohne die App nicht in dieser Weise gegeben hätte. Um nicht jedes Dokument einzeln in der Ausstellung erneut betrachten zu müssen, überlegt man, unter welcher Rubrik möglicherweise das gesuchte Objekte eingebettet ist. Damit setzt man sich automatisch mit dem Ausstellungskonzept und -aufbau auseinander. Ein schöner Effekt, wie ich finde.

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Blogparade „#Kultblick“ vom Archäologischen Museum Hamburg

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Archäologisches Museum Hamburg

Das Archäologische Museum in Hamburg ruft in einer Blogparade dazu auf, den eigenen Kulturblick in einem Beitrag zu erläutern: Wie wird Kultur erfahren, gesehen, bewertet? Was ist an Kultur besonders wichtig? Welche Erlebnisse verbindet man mit Kultur? Gibt es etwas, was fehlt? Dies sind nur einige der Fragen, die das Archäologische Museum in seinem Aufruf vorgibt.

Was ist Kultur?

Allein diese Frage würde wohl eine gesamte Blogparade mit Diskussionsstoff füllen können. Im Ethnologiestudium wird diese Frage direkt im ersten Semester gestellt und, nachdem verschiedene Arbeitsdefinitionen aufgestellt worden sind, im späteren Studiumverlauf immer wieder neu diskutiert. Für mich ist Kultur vor allem eines: vielseitig und abwechslungsreich. Ich kann und möchte mir nicht anmaßen, darüber zu urteilen, was als Kultur gelten soll und was nicht. Für mich hat sich aber durch das Ethnologiestudium gezeigt, dass es eben eine Definitions-/ Perspektivsache ist, was Kultur ist. Allein schon den Begriff „Hochkultur“ finde ich unerträglich. Eine Hierarchisierung – und genauso das nimmt dieser Begriff vor und schließt damit eben auch ein, dass es eine „Niederkultur“ gibt – lehne ich kategorisch ab. Zumal sich mir dabei die Frage stellt, wer überhaupt eine solche Einstufung verschiedener Kulturstufen vornehmen „kann“. Für mich klar: Niemand! Daher vertrete ich den Standpunkt, dass Kultur, unabhängig von Land oder Branche, facettenreich und multiperspektivisch ist und für jeden Interessierten neue Möglichkeiten und Blickwinkel ermöglicht, wenn man sich darauf einlässt.

Wie sehe ich Kultur?

Aufgrund meines beruflichen und privaten Interesses stehen insbesondere Museen und Ausstellungshäuser in meinem Kulturblick. Aber genauso interessiere ich mich für Denkmäler, Ausgrabungen und Bücher.. Durch mein Studium lassen mich aber auch Themen wie Kolonialismus und Gender Studies nicht los, sodass ich bei Ausstellungsbesuchen oder der Wahl meiner Bücher entsprechend auf diese Themen achte, was natürlich nicht heißt, dass ich mir zum Beispiel andere Ausstellungen nicht ansehe. Ich möchte mich kontinuierlich über andere, neue Themengebiete informieren sowie Neues dazulernen und somit das vielseitige Angebot der Kulturbranche nutzen.

Daher habe ich auch keineswegs den Anspruch, dass mich jedes Kulturangebot anspricht. Um es offen und ehrlich zu sagen, reizen mich Opern, die häufig als der Teil eines typischen Kulturprogramms gesehen werden, nicht besonders. Aufgrund eines vielseitigen Kulturangebots sind die jeweiligen Zielgruppen auch entsprechend vielseitig und ich bin der Meinung, dass nicht jedes Kulturangebot auch Jeden ansprechen muss. Von Bedeutung ist in meinen Augen allerdings trotzdem, dass eine Kulturinstitution aktiv eine Rolle in gesellschaftlichen Diskussionen einnimmt und sich gegenüber neuen Entwicklungen offen zeigt, sozusagen auch „mit der Zeit geht“. Und damit wäre ich bei einem Punkt, der mir aus beruflichem Beweggründen als IT-Projektleiterin ebenfalls wichtig erscheint, aber noch viel zu häufig außer Acht gelassen bzw. aus verschiedenen Gründen vehement abgelehnt wird und der mir, um auf eine der Fragestellung der Blogparade einzugehen, fehlt: die Selbstverständlichkeit bei Themen, die alles rund um „das Digitale“ betreffen.

Was fehlt mir? 

Um es kurz und knapp zu sagen, fehlt mir bei den meisten Kultureinrichtungen ihre spezifische (digitale) Strategie. Diese Strategie sollte ein allumfassendes Konzept bieten, dass alle Abteilungen im Haus intern mitnimmt und beteiligt. Zudem gehört auch dazu, dass sich die Kulturinstitution nicht nur darüber Gedanken macht, wie sie ihre Zielgruppe und neue Zielgruppen online erreicht und anspricht, sondern eben auch in der analogen Welt. Es macht häufig den Eindruck, dass bruchstückhaft verschiedene Ideen und Elemente angedacht und umgesetzt werden, aber so kein schlüssiges Gesamtbild, kein Markenkern der Einrichtung entsteht. Im Sinne eines digitalen Weges reicht es nicht aus, eine Facebook-Seite zu haben oder eine App programmieren zu lassen. Vielmehr steht zu Beginn die Überlegung, wen man ansprechen möchte, was man erreichen möchte und welches übergeordnete Ziel generell verfolgt werden soll. Anschließend sollte nach der passenden Plattform gesucht werden.

Für mich unstrittig ist jedoch der Betrieb einer aktuellen, gepflegten und mobil optimierten Webseite. Ich sehe diese als Tür zur jeweiligen Einrichtung und als gleichzeitiges Aushängeschild: Hier können wichtige Informationen für möglichst alle Zielgruppen aufbereitet und präsentiert werden. Von der Webseite können dann zielgruppenspezifische, weiterführende Angebote verlinkt werden. Da mein letzter Museumsbesuch im Haus der Geschichte in Bonn war, kann ich diese Webseite als Positivbeispiel nennen: Beim Aufrufen der Webseite erscheint ein Pop-Up mit der aktuellen Information, dass derzeit die Dauerausstellung aufgrund Umbaumaßnahmen geschlossen ist. Diese Info ist zudem auch in englischer Sprache. Hier erhält der Besucher somit direkt diese für seinen Besuch wichtige Mitteilung – leider erscheint das Pop-Up beim Laden jeder (Unter-)Seite, was auf Dauer stört. Neben den üblichen Informationen zu Öffnungszeiten und Ausstellungen kann auf der Webseite nachgelesen werden, dass die Ausstellungen auch mit Rollstühlen und Kinderwagen besucht werden können – das Thema Barrierefreiheit wird vom Haus der Geschichte als eigene Rubrik aufgegriffen und detaillierte Informationen werden gegeben. Der übersichtliche Internetauftritt des Hauses erleichtert den Besuchern und Interessierten den Zugang zur Institution und ihrer Arbeit: So kann sowohl der eigene Museumsbesuch vorbereitet als auch in den verschiedenen Online-Angeboten (App, Zeitzeugenportal) gestöbert werden.  Dieses Beispiel zeigt bereits, in welcher Art und in welchem Umfang verschiedene Zielgruppen bedient und angesprochen werden können, ohne dass diese überhaupt einen Fuß ins Museum gesetzt haben. Hier dient die Webseite als, wie von mir bereits erwähnt, Tür zur Kultureinrichtung.

Diese unterschiedlichen Zielgruppen lassen sich darüber hinaus durch facettenreiche Angebote wie Führungen mit Baby (siehe zum Beispiel die Angebote des LVR Landesmuseums oder der Bundeskunsthalle in Bonn), Führungen für Senioren oder in ausgewählten Fremdsprachen sowie spezielle „Bloggerabende“ (siehe zum Beispiel das Deutsche Historische Museum oder die Ludwiggalerie in Oberhausen) ansprechen und mit dem Museum vernetzen. Gerade diese Vernetzung, dieser Dialog stellt nicht nur für die Eingeladenen eine Bereicherung in Form eines spaßigen, interessanten Events dar, sondern bietet auch dem jeweiligen Museum die Möglichkeit, aus ihrem viel zitierten Elfenbeinturm herauszukommen und sich auf Augenhöhe mit Kulturinteressierten zu vernetzen und die Perspektiven auszutauschen. Dies bedeutet aber auch wiederum, ein Stück Deutungshoheit und damit auch Macht abzugeben. Und ich denke, dass genau dieser Aspekt das eigentliche Argument ist, warum so viele Kultureinrichtungen sich (noch) gegen die Umsetzung digitaler Angebote und/ oder Social Media wehren. Häufig werden zwar die finanziellen Gründen genannt, die gegen neue Techniken oder neue Stellen sprechen, aber könnte man nicht auch anhand einiger Beispiele, vor allem kleiner Einrichtungen, sagen: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg?“

 

Bei den Römern zu Besuch

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Römervilla in Bad Neuenahr-Ahrweiler

Die Römervilla in Bad Neuenahr-Ahrweiler zählt nach Eigenaussage zu den interessantesten römerzeitlichen Baudenkmälern nördlich der Alpen. Anhand verschiedener Ausgrabungsschichten können ein Bau aus der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr., ein Herrenhaus aus der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr., ein Rasthaus aus dem 3. Jahrhundert, eine Metallschmelzerwerkstatt sowie ein frühchristliches Gräberfeld besichtigt werden. Mein Fazit des Besuchs fällt trotz dieser imposanten Ausgrabung gemischt aus.

Erste Hürde: den Übersichtsplan lesen und verstehen

Die Römervilla, ein 1.000 m2 großes Herrenhaus, wurde im Jahr 1980 bei Straßenarbeiten gefunden und die sich anschließenden Ausgrabungen dauerten weitere elf Jahre. Diese Zeitspanne vermittelt bereits einen ersten Eindruck sowohl über die Größe der Ausgrabung als auch über die Anzahl der gefundenen Stücke. Teilweise sind sogar noch die bunten Wandmalereien erhalten. Um diesen Fund Besuchern zugänglich zu machen, wurde ein Museumsbau mit vielen Holzelementen (Decke des Baus auf dem Beitragsbild erkennbar) gebaut. Das Gebäude besteht aus drei Etagen: Im Untergeschoss kann sich der Besucher einen kurzen Film über die Geschichte der archäologischen Arbeiten sowie einzelne Vitrinen zu den Themen „Das Ahrtal unter den Römern“ und „Werkzeuge eines Archäologen“ ansehen. Auf der Ebene des Eingangs liegt die Ausgrabungsstelle, die über Holzwege betreten werden kann. Im Obergeschoss ist ein Modell der Römervilla nachgebaut. Leider sind das Unter- und Obergeschoss nicht barrierefrei – in meinem Fall mit Kinderwagen ein kleines Hindernis.

Wie bereits einleitend erwähnt, fanden die Archäologen bei ihren Arbeiten verschiedene Bauwerke bzw. ihre Überreste, aus verschiedenen Jahrhunderten. Diese verschiedenen Bauabschnitte sind an einigen Stellen in der Ausstellung betont, sodass eindrücklich verdeutlicht wird, welche verschiedenen Schichten im Laufe der Zeit aufeinander verbaut wurden. Diese Tatsache – also dass hier Bauten aus verschiedenen Zeiten präsentiert werden, die teilweise angebaut, abgerissen oder eingestürzt sind – macht es für den Besucher allerdings zu einer Herausforderung, die verschiedenen Bauabschnitte mitzuverfolgen. An der Kasse bekommt man zwar einen Übersichtsplan mit Grundriss und kurzen Infotexten zu einzelnen Abschnitten; dieser ist jedoch in meinen Augen aus verschiedenen Gründen in der Nutzung durchgefallen:

Wissentlich um die Problematik der verschiedenen Bauelemente soll dieser Plan verdeutlichen, welcher Abschnitt der Ausgrabung beispielsweise zum Herrenhaus oder dem späteren Rasthaus gehörte. Anhand verschiedener Farben soll visualisiert werden, dass zum Beispiel der Raum mit der Nummer 42 das Badehaus des ersten Gebäudes war, das jedoch mit Bau des Herrenhaus abgetragen wurde. Die Schwierigkeit besteht jedoch leider darin, dass die gewählten Textfarben – auch aufgrund des schwachen Lichts im Museumsgebäude – kaum zu unterscheiden sind. Damit fiel mir das Lesen des Plans und vor allem das Nachvollziehen der Baugeschichte schwer. Hinzukommt, dass das gesamte Layout dieses Plans nicht besonders übersichtlich gestaltet ist. Die Texte in diesem Plan sind darüber hinaus in den meisten Fällen die selben wie die, die in der Ausstellung auf Plexiglas-Stelen angebracht sind.

Mir persönlich fehlte zudem die Einordnung in den historischen Kontext. Bis auf einige wenige Vitrinen zu Themen wie Körperpflege, Erziehung, Landwirtschaft, Ernährung gab es keine Darstellung der römischen Geschichte. So kann man zum Beispiel in einem Infotext lesen, dass eine Vermischung von römischen, keltischen und germanischen Kulten stattfand, als die Römer ins Rheinland kamen. An dieser Stelle wird weder auf die verschiedenen Religionen noch auf die Expansionsgeschichte des Römischen Reichs eingegangen bzw. diese kann auch nicht an anderer Stelle in der Ausstellung als kurzer Überblick nachgelesen werden. Ich bin der Meinung, dass man nicht von den Besuchern erwarten kann, dass sie auf Anhieb eine historische Einordnung der oben genannten Jahrhunderte (die Bauzeiten der jeweiligen Teile der Ausgrabung) vornehmen können und daher sehe ich es als zentrale Aufgabe der Ausstellung dies zumindest überblicksartig zu übernehmen. Eine Vertiefung in die Geschichte kann der Besucher anschließend eigenständig mit Hilfe einschlägiger Literatur vornehmen.

Was bei den jüngeren Museumsbesuchern sichtlich gut ankommt, ist das Quiz. Dieses leitet die Kinder und Jugendliche spielerisch durch die Ausgrabung und lässt nach kleinsten Details suchen. Und natürlich stoßen die Gummibärchen beim erfolgreichen Abschluss der Rallye auch auf Zustimmung. 🙂 Generell verspricht das Angebot für Kinder jede Menge Spaß und spielerische Annäherung an die Thematik. Auch die angebotenen Kostümführungen, bei denen die Hausherrin der Römervilla zum Besuch einlädt, verspricht ein tolles  Erlebnis.

Mein Fazit:  Die oben genannten Schwierigkeiten der Thematik und der Baugeschichte auf Anhieb zu folgen, wiegen in meinen Augen schwer. Denn so wird eine unnötige Hürde aufgebaut, sich näher mit der Geschichte der Gebäude und der Römer (im Ahrtal) zu beschäftigen. Das ist sehr schade. Doch die Angebote für Kinder und die Kostümführungen zeigen auf der anderen Seite, dass es sich das Museum zur Aufgabe gemacht hat, Geschichte lebendig zu vermitteln. Dies lässt mich hoffen, dass auch bald eine Überarbeitung zumindest des Übersichtsplans erfolgen wird.

Blogparade „Wieso kommt es zu einer Revolution?“

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Deutsches Historisches Museum Berlin

Anlässlich der neuen Ausstellung im Deutschen Historischen Museum Berlin „1917. Revolution. Russland und Europa“ ruft das Museum zu einer Blogparade auf und stellt die Frage, wie es zu einer Revolution kommen kann. Sowohl gesellschaftliche, wirtschaftliche, politische als auch persönliche Aspekte können hierbei Berücksichtigung finden. Das Museum nennt in seinem Aufruf exemplarisch die Umbrüche zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die Einflüsse des Internets und das Aufkommen der veganen Ernährung. weiterlesen

Ein Monster-Besuch im Max Ernst Museum

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Max Ernst Museum Brühl des LVR

Vergangenen Freitag eröffnete das Max Ernst Museum die Sonderausstellung „Miró – Welt der Monster„, die bis zum 28.01.2018 dort zu sehen sein wird. Auf Einladung war ich bei der Eröffnung dabei und werde im folgenden Blogbeitrag vor allem über die App und ob bzw. inwiefern diese die Miró-Ausstellung bereichert schreiben. weiterlesen

Ein Gang durch die Festung Ehrenbreitstein

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Festung Ehrenbreitstein

Die Festung Ehrenbreitstein in Koblenz gehört zur Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, deren Direktionen die Erforschung, Sicherung, Sammlung und Vermittlung des Kulturellen Erbes des Landes als zentrale Aufgabe definiert haben. Nicht nur die Festungsanlage mit ihrer Geschichte, sondern auch das Landesmuseum Koblenz kann auf Ehrenbreitstein besichtigt werden. weiterlesen

MAI-Tagung in Bonn

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Neben der Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes (Zusammenfassung von Markus Speidel hier) lockt auch jährlich die MAI-Tagung zahlreiche Museumsmitarbeiter und -interessierte. Auf der MAI-Tagung steht die Nutzung digitaler Medien und neuer Technologien für den Kulturbereich im Zentrum der Vorträge und Diskussionen (mehr dazu hier). Die Tagung wird vom LVR veranstaltet und fand dieses Jahr in Bonn, im Museum König, statt. Ziel dieses Artikels soll es nicht sein, jeden einzelnen Vortrag wiederzugeben – die Vorträge werden hier online gestellt – sondern mir geht es darum, einige Aspekte besonders hervorzuheben und zu betonen. weiterlesen